Deutschland: 65. Jahrestag des Mauerbaus – Rede von Bundestagspräsident Klöckner
Rede zum Jahrestag
Am 13. August 2026 hielt der Bundestagspräsident Julia Klöckner in der Kapelle der Versöhnung an der Bernauer Straße eine Rede zum 65. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer. Er betonte, dass die Mauer nach wie vor Spuren im politischen und gesellschaftlichen Leben Deutschlands hinterlasse und das Selbstverständnis der Menschen beeinflusse.
Erinnerung an die ersten Opfer
Der Redner erinnerte an die ersten Menschen, die beim Mauerbau ihr Leben verloren hatten. Ida Siekmann sprang am 22. August 1961 aus ihrer Wohnung in der Bernauer Straße und starb noch am selben Tag. Zwei Tage später, am 24. August 1961, wurde Günter Litfin beim Versuch, den Humboldthafen zu durchschwimmen, von der DDR‑Transportpolizei erschossen. Beide Fälle wurden als frühe Beispiele politischer Gewalt genannt.
Die Mauer als politisches Gewaltinstrument
Klöckner bezeichnete den Bau der Mauer als einen Akt politischer Gewalt, der nicht nur Berlin, sondern ganz Deutschland, Europa und die Welt teilte. In den ersten drei Wochen nach dem Bau wurden Tausende Menschen wegen angeblicher staatsfeindlicher Hetze verhaftet; zahlreiche Haftanstalten, darunter Hohenschönhausen, seien zu Orten der Folter und Erniedrigung geworden. Die Stasi wurde als zentrale Sicherheitsbehörde des damaligen Staates beschrieben.
Langfristige gesellschaftliche Folgen
Der Redner wies darauf hin, dass die Teilung nicht nur zu zwei Staaten, sondern zu zwei unterschiedlichen Identitäten geführt habe. Ereignisse wie der Prager Frühling, der RAF‑Terror, die Solidarność‑Bewegung und die Tschernobyl‑Katastrophe seien auf beiden Seiten unterschiedlich bewertet worden. Die Mauer sei nach ihrem Fall 1989 zu einer fast unsichtbaren Grenze geworden, deren ehemalige Orte heute zu touristischen Sehenswürdigkeiten würden.
Appell für Freiheit und Erinnerung
Klöckner rief dazu auf, die Freiheit von 1989 nicht als selbstverständlich zu betrachten. Er warnte vor neuen, unsichtbaren Mauern – sei es durch Gleichgültigkeit, Desinteresse oder übermäßige staatliche Kontrolle – und betonte, dass ein freies Land die Unantastbarkeit der Menschenwürde als Schutzschild benötige. Die Freiheit müsse aktiv verteidigt werden, sowohl im Inneren als auch nach außen.
Weitere Redner und Kontext
Vor der Rede wies der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner, darauf hin, dass mehr als 140 Menschen an der Mauer ermordet worden seien. An der Veranstaltung nahmen zudem die SED‑Opferbeauftragte Evelyn Zupke, Staatsminister für Kultur und Medien Dr. Wolfram Weimer und Vizepräsident des Berliner Abgeordnetenhauses Dennis Buchner teil. Dieser Bericht basiert auf Informationen von Deutscher Bundestag, lizenziert unter Amtliches Werk gem. § 5 UrhG (Deutschland).
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