Ein plötzliches Hochwasserereignis, das durch ein Eis‑ und Felssturz in den Bergen ausgelöst wurde, hat im Rasuwa‑Bezirk Nepals massive Zerstörungen verursacht. Der Fluss Bhotekoshi wurde durch ein natürliches Dammbild blockiert, das nach etwa 18 Stunden brach und eine Flutwelle aus Wasser, Eis und Geröll freisetzte.
Opferzahlen und humanitäre Lage
Laut den Vereinten Nationen wurden mehr als 1.000 Menschen getötet, fast 4.000 gelten weiterhin als vermisst und etwa 11.800 Personen wurden gerettet. Zahlreiche Häuser, Brücken, Straßen und Wasserkraftanlagen wurden beschädigt oder zerstört, wodurch die humanitäre Versorgung stark beeinträchtigt ist.
Ursache des Hochwassers
Die Analyse von Planet Labs, einem US‑Raumfahrt‑ und Datenunternehmen, zeigte, dass ein großer Teil eines Gletschers und umliegendes Gestein in großer Höhe nahe der Grenze zu China zusammenbrach. Der dadurch entstandene Massenabgang blockierte den Nebenfluss Lhende Khola, bildete ein temporäres Dammbild und löste die nachfolgende Flut aus.
Wissenschaftliche Analysen
Ein Bericht des Integrated Research on Disaster Risk (IRDR) vom 28. August identifizierte den Vorfall als „Eis‑, Fels‑ und Bodenmassenausfall“ und nicht als Regenereignis. Experten der University of Reading betonten, dass in Hochgebirgen Fluten häufig durch komplexe Ketten von Gefahren wie Erdrutsche, Lawinen und Gletscherschmelzen entstehen.
Folgen für das Katastrophenmanagement
Der International Centre for Integrated Mountain Development (ICIMOD) fordert, dass das Risikomanagement in der Region nicht mehr einzelne Gefahren isoliert, sondern kaskadierende Ereignisse berücksichtigt. Saswata Sanyal, Spezialist für Katastrophenrisiken, erklärte, dass die Ära der Vorbereitung auf ein einzelnes, vorhersehbares Risiko beendet sei.
Frühere Ereignisse und langfristige Trends
Im Juli 2025 ereignete sich im selben Flusssystem eine Flut, die von nepalesischen Behörden mit einem Gletscherseeausbruch in Verbindung gebracht wurde. Eine ICIMOD‑Bewertung von 2026 zeigte, dass die Gletscherfläche im Hindu‑Kush‑Himalaya zwischen 1990 und 2020 um rund 12 % zurückgegangen ist und die Eisschmelzrate seit 2000 verdoppelt wurde.
Rolle der Satellitentechnologie
Satellitenbilder des Copernicus‑Sentinel‑2‑Programms dokumentierten den Gletscherzusammenbruch und die nachfolgende Flut. Wissenschaftler nutzten die Aufnahmen, um Veränderungen in der Gletschergeometrie, neu entstandene Seen und Blockaden im Flusssystem zu identifizieren. Trotz dieser Möglichkeiten bleibt die Vorhersage des genauen Zeitpunkts eines plötzlichen Ausbruchs schwierig.
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