Sonstige: Haitianischer Fußball trotzt anhaltender Ganggewalt – U14-Team feiert Titel
Soziale Bedeutung des Fußballs
Der Fußball in Haiti verbindet Menschen aus allen sozialen Schichten. Auf Schulhöfen, in Straßen und auf unbefestigten Feldern treffen Spieler aus wohlhabenden Familien, aus ärmeren Vierteln und aus der Mittelklasse zusammen, um gemeinsam zu trainieren oder gegeneinander anzutreten. Die Auswahl für die Nationalmannschaft erfolgt ausschließlich nach sportlicher Leistung, sodass Vertreter aller sozialen Gruppen im Team vertreten sind.
Gewalt und Infrastruktur
Seit dem Ausbruch der Sicherheitskrise vor über sechs Jahren wurden zahlreiche Sportanlagen beschädigt. Das FIFA Goal Center in Croix-des-Bouquets, das Talente wie Melchie Dumornay und Nérilia Mondésir hervorgebracht hat, wurde von der 400‑köpfigen Gang „Mawozo“ unter Führung von Wilson Joseph (alias Lanmò San Jou) geplündert und niedergebrannt. Ähnliche Angriffe trafen das Sylvio‑Cator‑Stadion und das Olympische Zentrum in Croix-des‑Missions, die von rivalisierenden Banden kontrolliert werden.
Anpassungen im Ligabetrieb
Durch die Kontrolle wichtiger Verkehrswege durch kriminelle Gruppen musste die reguläre nationale Meisterschaft ausgesetzt werden. Die Verantwortlichen organisierten stattdessen einen Sonderwettbewerb, um den Spielern weiterhin Spielpraxis zu ermöglichen, obwohl viele Sportparks in von Banden dominierten Gebieten liegen.
Erfolg des U14-Teams
Im August 2026 gewann die haitianische U14-Mannschaft die CFU‑U14‑Challenge Series in Punta Cana. Das Team besiegte Trinidad und Tobago mit 4:1, Französisch‑Guayana mit 5:2, verlor nur 0:1 gegen Puerto Rico und setzte sich im Halbfinale mit 6:1 gegen die Gastgebernation durch, bevor es im Finale Jamaika mit 4:0 schlug. Der Sieg markierte den dritten CFU‑Titel nach den Erfolgen 2021 und 2022. Vor dem Turnier fand ein landesweites Talent‑Scouting der Haitian Football Federation (FHF) statt, gefolgt von einem zweimonatigen Vorbereitungscamp im Dulaire‑Sportkomplex in Ouanaminthe.
Staatliche Unterstützung
Nach der Rückkehr der U14‑Champions am 24. August wurden die Spieler im Empfangsraum des Flughafens Port‑au‑Prince vom Minister für Jugend, Sport und Zivile Aktion, Phytagore Dumas, begrüßt. Der Minister betonte, dass die Regierung die schulische Ausbildung und persönliche Entwicklung der jungen Spieler fördern werde. Die FHF erklärte, dass das Ereignis die Liebe und Unterstützung für den Fußball beweise und dass man weiterhin in die Jugend investieren wolle, um langfristige Erfolge zu sichern.
Aktuelle Sicherheitslage
Weniger als 24 Stunden nach der Siegesfeier kam es in Kenscoff zu einem Angriff der Gruppe „Viv Ansanm“, bei dem rund 47 Personen getötet und mehr als 30 Menschen, darunter junge Mädchen und ältere Personen, entführt wurden. Die anhaltende Gewalt erschwert Feierlichkeiten im Großraum Port‑au‑Prince erheblich.
Ausblick
Trotz der schwierigen Lage bereitet sich die haitianische U17‑Nationalmannschaft im Parc Sainte‑Claire in Delmas auf die FIFA‑U‑17‑Weltmeisterschaft 2026 vor, während das U20‑Team kürzlich die Qualifikation für die Pan‑American‑Spiele 2027 erreichte. Beobachter sehen im Fußball ein Beispiel dafür, dass gesellschaftliche Initiative und sportlicher Ehrgeiz selbst unter extremen Bedingungen weiterleben können.Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Quelle beachten. Lizenzangabe konnte nicht eindeutig zugeordnet werden.
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