International: Ein Jahr nach Nepals Gen‑Z‑Protesten: Überlebende berichten
Hintergrund der Proteste
Im September 2025 löste ein landesweiter Ausschluss von sozialen Netzwerken in Nepal eine Protestwelle aus, die vor allem von jungen Bürgern der Generation Z getragen wurde. Ohne zentrale Führung entwickelte sich die Bewegung zu einer breiten Kritik an Korruption, ineffizienter Verwaltung und dem sichtbaren Reichtum politischer Eliten. Die Demonstrationen erstreckten sich über mehrere Tage und mündeten in Zusammenstößen mit der Polizei, bei denen nach Angaben von Beobachtern unverhältnismäßige Gewalt angewendet wurde.
Liza Adhikari – körperliche und finanzielle Folgen
Liza Adhikari, 21‑jähriger Student der Betriebswirtschaft an der Kathmandu University, wurde am 8. September 2025 vor dem Parlamentssekretariat von einer Schusswaffe getroffen. Das Projektil durchbohrte ihren Oberarm, führte zu schweren Nervenschäden und erforderte eine komplexe Operation am Plexus brachialis in Indien. In einem Online‑Interview erklärte Adhikari, dass die Ärzte ihr keine Garantie für eine vollständige Genesung geben können, sie jedoch weiterhin um finanzielle Unterstützung kämpft, um die teuren Nachbehandlungen zu decken.
Shantanu Dhakal – Verletzungen und Genesung
Der 18‑jährige Shantanu Dhakal aus Itahari wurde während derselben Demonstration von einer Kugel getroffen, die seinen Kiefer durchschlug und in die Brust eindrang. Nach einer Erstversorgung in einem örtlichen Klinikum wurde er ins Birat Teaching Hospital verlegt, wo er eine Tracheotomie und mehrere chirurgische Eingriffe erhielt. Dhakal berichtet, dass die Verletzungen seine Bewegungsfähigkeit beim Essen und Arbeiten auf dem Feld beeinträchtigen und dass die Behandlungskosten größtenteils von der nepalesischen Regierung übernommen wurden.
Riya – psychische Belastung einer Polizistin
Riya, Polizeibeamter in Baneshwor, Kathmandu, erlitt bei den Unruhen schwere Prellungen am linken Fuß, nachdem sie von Steinen getroffen wurde. In einem persönlichen Gespräch schilderte sie, dass die Angst nach dem Einsatz noch lange nachhallte und sie sich trotz der physischen Genesung weiterhin unsicher fühle, was die zukünftige Sicherheit im Land betrifft.
Todesopfer und Verletzte
Nach Angaben der Behörden starben am 8. September 2025 neunzehn Demonstranten, während Hunderte weitere verletzt wurden. Der Rechtsanwalt und Aktivist Abhijeet Adhikari betonte in einem Telefoninterview, dass „kein Prinzip der Verhältnismäßigkeit“ angewendet worden sei, und forderte eine umfassende Aufklärung der Vorfälle.
Untersuchungen und politische Folgen
Eine gerichtliche Untersuchungskommission unter Leitung von Gauri Bahadur Karki empfahl die Verhaftung mehrerer Regierungsvertreter, darunter der damalige Premierminister K.P. Sharma Oli und Innenminister Ramesh Lekhak. Im Juli 2026 kam ein separates Prüfungsgremium jedoch zu dem Schluss, dass die vorliegenden Beweise nicht ausreichen, um strafrechtliche Anklagen zu erheben. Die Diskussion um Verantwortlichkeit bleibt daher politisch umstritten.
Stimmen der Überlebenden
Liza Adhikari äußerte im Rückblick, dass sie sich wünschte, sie hätte den Rat ihrer Eltern befolgt, um die Schüsse zu vermeiden. Riya betonte, dass das Erlebte „in der Vergangenheit liegt“, sei jedoch unsicher über die zukünftige Richtung Nepals. Shantanu, der nun sein Abitur abgeschlossen hat und ein Ingenieurstudium plant, zeigte sich zuversichtlich, dass seine Narbe nicht sein weiteres Leben bestimmen werde.
Ausblick
Ein Jahr nach den Protesten bleibt die gesellschaftliche Debatte über staatliche Gewalt und Reformen lebendig. Während einzelne Überlebende unterschiedliche Wege der Bewältigung finden, verdeutlichen ihre Berichte die langfristigen physischen, psychischen und finanziellen Belastungen, die solche Ereignisse mit sich bringen können.Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Quelle beachten. Lizenzangabe konnte nicht eindeutig zugeordnet werden.
Ende der Uebertragung