Ein im Jahr 2024 veröffentlichter systematischer Review untersucht, wie die fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit (Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit) mit den Kernbereichen emotionaler Reaktivität zusammenhängen. Dabei stehen Intensität, Sensitivität, Persistenz sowie die Häufigkeit positiver und negativer emotionaler Erlebnisse im Fokus.
Methodik und Datenbasis
Die Analyse umfasst 30 Datensätze, die aus 31 Studien zwischen 1999 und 2024 stammen und insgesamt 50 unabhängige Stichproben repräsentieren. Der Review wurde nach einem vorab festgelegten Protokoll auf PROSPERO (CRD420251067878) durchgeführt und verwendet einen narrativen Syntheseansatz, um die heterogenen Befunde zu integrieren.
Neurotizismus und maladaptive Muster
Neurotizismus zeigte durchgehend das ungünstigste Profil: Personen mit hohen Werten in dieser Dimension erlebten stärker ausgeprägte negative Affekte, waren empfindlicher gegenüber Stressoren und benötigten länger, um emotionale Erregungen abzubauen.
Extraversion und Gewissenhaftigkeit als adaptive Faktoren
Extraversion und Gewissenhaftigkeit wurden überwiegend mit adaptiven emotionalen Mustern assoziiert. Insbesondere wiesen Träger hoher Extraversion‑Werte eine erhöhte positive Emotionalität auf, während hohe Gewissenhaftigkeit mit stabileren emotionalen Reaktionen korrelierte.
Offenheit für Erfahrungen – ein heterogenes Bild
Offenheit für Erfahrungen offenbarte ein gemischtes Bild: Einerseits zeigte sich eine gesteigerte Sensitivität gegenüber emotionalen Stimuli, andererseits divergierten subjektive Erlebnisse häufig von physiologischen Messungen, was auf unterschiedliche Verarbeitungsebenen hinweist.
Verträglichkeit und kontextabhängige Reaktionen
Verträglichkeit war vornehmlich mit einem prosocialen emotionalen Profil verbunden. Negative emotionale Reaktionen traten jedoch je nach situativem Kontext variabel auf, was auf eine flexible Anpassungsfähigkeit schließen lässt.
Schlussfolgerungen und Implikationen
Die Ergebnisse unterstützen die Vorstellung einer mehrdimensionalen Konzeption emotionaler Reaktivität, die über einzelne Persönlichkeitsmerkmale hinausgeht. Ein solches Verständnis kann die Erklärung individueller Unterschiede in emotionaler Funktionsweise und psychischer Gesundheit verbessern.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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