Am 12. September 2026 hielt Christine Lagarde, Präsident der Europäischen Zentralbank, in Épreville‑en‑Lieuvin, Frankreich, eine Rede, in der sie die Rolle der Europäischen Union bei der Stärkung regionaler Wirtschaften, insbesondere der Normandie, erläuterte.
EU‑Unterstützung für die Region Normandy
Lagarde verwies darauf, dass kleine Unternehmen in der Normandie im Jahr 2022 Waren im Wert von fast 10 % des regionalen BIP exportierten – ein Anteil, der über dem deutschen Durchschnitt liegt – und dass die USA ihr wichtigster Absatzmarkt waren. Durch den Binnenmarkt der EU könne etwa die Hälfte des gesamten Calvados‑Absatzes außerhalb Frankreichs erfolgen, wobei sieben von zehn Flaschen in andere EU‑Staaten exportiert würden. Die EU‑Geographischen Angaben schützten diese Produkte und ermöglichten Preisprämien von rund dem Doppelten gegenüber nicht geschützten Waren. Für den Zeitraum 2021‑2027 seien der Region mehr als eine Milliarde Euro an EU‑Fördermitteln zugewiesen worden, wovon ein Teil in den Ausbau des Hafens von Cherbourg für die Offshore‑Windindustrie floss und rund 800 neue Arbeitsplätze schuf.
Herausforderungen durch globale Unsicherheiten
Die Rede betonte, dass geopolitische Ereignisse – etwa der russische Angriff auf die Ukraine, US‑Zölle und Konflikte im Nahen Osten – die Exportnachfrage belasteten; seit Anfang des Vorjahres seien Exporte von Euro‑Area‑Unternehmen um fast ein Fünftel zurückgegangen. Gleichzeitig stiegen die Preise für Energie und Lebensmittel, was für viele französische Bürger zu den größten Sorgen gehöre.
Energie‑ und Digitalisierungsstrategien
Lagarde hob die Energieproduktion der Normandie hervor: Im Jahr 2024 habe die Region etwa zweieinhalb Mal mehr Strom erzeugt als verbraucht, fast ausschließlich aus kohlenstoffarmen Quellen. Der erste französische Kernreaktor seit einem Vierteljahrhundert, Flamanville 3, sei im Dezember 2024 ans Netz gegangen, und Siemens Gamesa investiere 200 Millionen Euro in Le Havre in die Fertigung von Offshore‑Windturbinen‑Blättern. Trotz dieser Überschüsse sei das europäische Verbundnetz noch zu dünn, um überschüssige Energie effizient zu verteilen; bis 2030 sollen geplante Leitungsverbesserungen abgeschlossen sein, um Preisvolatilität zu reduzieren.
Finanzierung und Kapitalbindung
Lagarde kritisierte die geringe Kapitalbindung innerhalb Europas: Mehr als 400 außerhalb Europas ansässige Unternehmen, deren Gründer in Europa aufgewachsen seien, seien zusammen etwa 1,8 Billionen US‑Dollar wert – etwa die Hälfte des jährlichen französischen Bruttoinlandsprodukts. Ein erheblicher Teil der Ersparnisse der europäischen Haushalte fließe inzwischen nach Kalifornien. Als Gegenmaßnahme nannte sie das Scale‑up‑Europe‑Fund, das in das französische KI‑Unternehmen Mistral investierte, das 3 Milliarden Euro Kapital aufbrachte. Laut einer Umfrage gaben sieben von zehn Gründern an, dass nationale Marktsegmentierungen das Wachstum erschweren.
Ausblick und Schlussfolgerungen
Lagarde schloss mit dem Hinweis, dass die Europäische Zentralbank die Preisstabilität bei rund 2 % Inflation bewahre, um die Folgen von Energie‑ und Lebensmittelpreisschocks abzufedern. Sie forderte den Ausbau des digitalen Euro, um die Zahlungsabwicklung innerhalb des Euroraums von außereuropäischen Anbietern unabhängiger zu machen, und betonte, dass die rasche Einführung von Künstlicher Intelligenz das Bruttoinlandsprodukt des Euroraums innerhalb eines Jahrzehnts um etwa 630 Milliarden Euro erhöhen könne.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Europäische Zentralbank, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Europäische Union). Enthält Informationen von Organen der Europäischen Union.
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