USA: Bluttest-Trends erhöhen die Krebsdiagnosegenauigkeit bei Patienten mit unerwartetem Gewichtsverlust
Eine retrospektive Kohortenstudie, die Daten von über 275.205 Patienten mit unerwartetem Gewichtsverlust aus der englischen Primärversorgung zwischen dem 01.01.2000 und dem 31.12.2018 analysierte, zeigte, dass die Berücksichtigung von Trends in Blutwerten die Vorhersage von Krebs verbessert.
Datenbasis und Studienpopulation
Die Untersuchung nutzte das Clinical Practice Research Datalink (CPRD) und verknüpfte die Ergebnisse mit den National Cancer Registrations Data. Eingeschlossen wurden Patienten ab 18 Jahren, bei denen ein unerwarteter Gewichtsverlust dokumentiert war. Insgesamt wurden 275.205 Patienten erfasst, von denen 5,0 % (n = 13.798) innerhalb des Beobachtungszeitraums eine Krebsdiagnose erhielten.
Analyse der Bluttestwerte
Für jede Person wurden quantitative Ergebnisse von 26 Bluttests über einen Zeitraum von bis zu zehn Jahren vor dem Auftreten des Gewichtsverlusts extrahiert. Trendanalysen wurden für Zeitfenster von einem, drei, fünf und zehn Jahren durchgeführt. Zusätzlich wurden einzelne Bluttestabnormalitäten (z. B. niedriges Albumin, erhöhte Thrombozyten) bewertet. Adjustierungen erfolgten für Alter und Geschlecht.
Ergebnisse der Diskriminationsanalyse
Der Median (IQR) der Bluttestanzahl pro Person über zehn Jahre lag zwischen 2 (IQR [12–3]) für drei Testarten und 4 (IQR [2–7]) für zwölf Testarten. Der Median (IQR) der Zeit zwischen erstem und letztem Test betrug bei Krebspatienten 5,2 Jahre (IQR [1,5–8,2]) und bei krebsfreien Patienten 4,3 Jahre (IQR [1,0–7,7]). Der Median (IQR) zwischen letztem Test und Auftreten des Gewichtsverlusts war bei Krebspatienten 0,1 Jahre (IQR [0,0–0,6]) und bei krebsfreien Patienten 0,3 Jahre (IQR [0,0–1,1]). Adjustierte Modelle, die Trends berücksichtigten, erzielten höhere Flächen unter der ROC-Kurve (AUC) als Modelle, die nur einzelne Abnormalitäten berücksichtigten. Der höchste gemessene AUC betrug 0,82 (95 %‑KI [0,81, 0,83]) für die Gesamtkrebsdiagnose.
Spezifische Trends für Krebsarten
Für einzelne Tumorarten wurden besonders diskriminative Trends identifiziert: Der Trend des mittleren Zellvolumens war für Darmkrebs und Lymphome relevant, während Trends im weißen Blutkörperchen und Neutrophilen für Lungenkrebs bedeutend waren. Bei Prostatakrebs erwiesen sich Trends von Aspartat-Aminotransferase, rotem Blutkörperchen, Hämatokrit und dem Thrombozyt‑zu‑Lymphozyten‑Verhältnis als besonders aussagekräftig.
Methodische Einschränkungen
Die Modellierungsstrategie berücksichtigte nicht das potenzielle Testbias, also die Tatsache, dass nicht alle Patienten gleich häufig Bluttests erhalten. Zudem wurde die Trendanalyse auf Patienten beschränkt, die mindestens zwei Tests im jeweiligen Zeitfenster vorweisen konnten.
Implikationen für die klinische Praxis
Die Ergebnisse legen nahe, dass Bluttestabnormalitäten nach Alter‑ und Geschlechtsanpassung interpretiert werden sollten, um die Triage von Patienten mit unerwartetem Gewichtsverlust zu verbessern. Die zusätzliche Betrachtung historischer Trends kann die Diskriminierung zwischen krebsfreien und krebskranken Patienten weiter erhöhen, insbesondere für bestimmte Test‑Krebs‑Kombinationen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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