International: Pskower Ikonen zeigen gefallene Soldaten – Tradition wird für Kriegsdarstellung genutzt
In Pskow wurden im Frühjahr 2026 neue Ikonen in einer der ältesten Kirchen der Stadt aufgehängt, die neben Heiligen auch gefallene Soldaten der russischen Armee darstellen. Die Ikonen wurden von einem städtischen Abgeordneten an die Kirche von den Heiligen Cosmas und Damian von Primostye gespendet und zeigen Angehörige der 76. Luftsturmdivision, die seit 2022 am Krieg in der Ukraine beteiligt waren.
Tradition der Pskower Ikonenschule
Die Pskower Ikonenschule entwickelte im 13. und frühen 14. Jahrhundert einen charakteristischen Stil, der sich durch kraftvolle Bildsprache und eine teilweise naive Darstellung auszeichnete. Diese künstlerische Tradition ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und prägt das religiöse Bildmaterial der Region seit Jahrhunderten.
Einbindung von Soldaten in die Ikonen
Der Gouverneur der Region Pskow veröffentlichte in seinem Telegram‑Kanal, dass zwei gefallene Soldaten der 76. Luftsturmdivision als Begleitfiguren zu den Heiligen Nikolaus von Moskau und Rustikus von Paris dargestellt wurden. In beiden Darstellungen stehen die Soldaten als kleinere Figuren am Fuße der Heiligen, ohne den Status eines Heiligen zu erhalten.
Reaktion der Behörden und Kirche
Nach Angaben des Gouverneurs unterstützt die russisch‑orthodoxe Kirche die militärischen Aktionen in der Ukraine und hat die neue Ikonografie als Ausdruck der religiösen Legitimation des Krieges beschrieben. Die Kirche betont, dass die Darstellung im Einklang mit einer historischen Tradition stehe, bei der Spender oder Soldaten vor einem Heiligen betet werden.
Historischer Kontext der Region
Bis zum Jahr 1510 war die Stadt Pskow ein eigenständiger Stadtstaat, der nicht unter der Herrschaft Moskaus stand. Die spätere Eingliederung in das wachsende russische Reich erfolgte erst nach einer langen Phase politischer Unabhängigkeit, was die regionale Identität und die künstlerische Eigenständigkeit betont.
Expert*innen‑Einschätzung
Experten von Radio Liberty erläutern, dass die aktuelle Nutzung der Ikonen einer langen Tradition folgt, jedoch heute eine politische Bedeutung erhalte, indem sie den Krieg in einen religiösen Rahmen stelle. Sie betonen, dass die Bildsprache dazu diene, das militärische Vorgehen als moralisch gerechtfertigt erscheinen zu lassen.
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