Sonstige: Depression und Angst zeigen gegensätzliche Empfindlichkeit gegenüber Belohnungsfehlern im Momentan-Mood-Modell
Eine groß angelegte Untersuchung hat gezeigt, dass depressive und ängstliche Merkmale unterschiedliche Wirkungen auf Stimmungsschwankungen haben, wenn diese durch Vorhersagefehler von Belohnungen (Reward Prediction Errors, RPE) ausgelöst werden. Die Analyse basierte auf einem computergestützten Modell, das momentane Stimmung während einer Glücksspiel‑Aufgabe misst, und umfasste 2043 Personen in fünf getrennten Experimenten.
Methodik
Die Teilnehmenden führten eine standardisierte Glücksspiel‑Aufgabe aus, bei der jede Entscheidung mit einem potenziellen Gewinn oder Verlust verbunden war. Gleichzeitig wurden ihre momentanen Stimmungseinschätzungen erfasst. Zusätzlich beantworteten die Probanden umfangreiche Fragebögen, die mittels bifaktorieller Modellierung depressive und ängstliche Traits voneinander trennten.
Ergebnisse – Depression
Die Daten zeigen, dass bei Personen mit höheren Depressionswerten die Stimmung weniger stark auf RPE reagiert. Dieser Effekt, bezeichnet als Stimmungshyposensitivität, führte zu insgesamt gedämpfteren Stimmungsschwankungen. Der gleiche Muster wurde auch bei klinisch diagnostizierten Patientinnen und Patienten mit affektiven Störungen beobachtet.
Ergebnisse – Angst
Im Gegensatz dazu korrelierte ein höheres Angstniveau mit einer übermäßigen Stimmungssensitivität gegenüber RPE, was zu verstärkten Stimmungsschwankungen führte. Dieser Zusammenhang zeigte sich ausschließlich bei nicht‑klinischen Teilnehmenden.
Gemeinsame Faktoren
Ein gemeinsamer Faktor, der sowohl Depression als auch Angst zugrunde liegt, war mit einem niedrigeren affektiven Grundniveau und einer erhöhten Risikoaversion verbunden. Diese Kombination deutet auf eine allgemeinere Beeinträchtigung der emotionalen Grundstimmung hin.
Bedeutung für die Praxis
Die Ergebnisse liefern computergestützte Signaturen, die helfen können, depressive und ängstliche Symptome differenziert zu erfassen. Durch die Identifikation von RPE‑basierten Stimmungsmustern könnten zukünftige Therapien gezielter auf die jeweiligen Sensitivitätsprofile ausgerichtet werden.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von eLife, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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