UN: UN-Bericht zu Mordraten und organisierter Kriminalität
Ein neuer Bericht des UN Interregional Crime and Justice Research Institute (UNICRI) zeigt, dass die weltweite Mordrate seit 2015 rückläufig ist, während organisierte Kriminalität in vielen Regionen an Bedeutung gewinnt. Der Bericht wurde am 30. September 2026 im Rahmen des 15. UN‑Kongresses für Kriminalprävention und Strafjustiz in Abu Dhabi vorgestellt.
Globale Entwicklung der Mordrate
Die Analyse ergab, dass die Mordrate von 5,9 Fällen pro 100 000 Einwohner im Jahr 2015 auf 5,2 Fälle im Jahr 2023 gesunken ist. Bei Fortsetzung des aktuellen Trends wird ein Rückgang von 25 % zwischen 2015 und 2030 erwartet.
Regionale Unterschiede
Trotz des globalen Rückgangs bleiben die Werte in Lateinamerika, der Karibik und Subsahara‑Afrika hoch. Diese beiden Regionen machen zusammen etwa zwei Drittel aller Mordopfer weltweit aus und werden häufig von organisierten Verbrechensnetzwerken, Banden und transnationalen kriminellen Gruppen beeinflusst.
Verflechtung von Kriminalität und legaler Wirtschaft
Der Bericht dokumentiert, dass kriminelle Netzwerke zunehmend in legale Wirtschaftsbereiche eindringen. In Lateinamerika erweitern sich Drogenkartelle in Landwirtschaft, Bergbau, Fischerei und den Handel mit Wildtieren. Europol schätzt, dass fast ein Fünftel der kriminellen Netzwerke in Europa in mehreren kriminellen Märkten aktiv ist. In Sonderwirtschaftszonen von Kambodscha, Laos und Myanmar werden tausende Menschen geschmuggelt und Cyber‑Fraud‑Modelle wie Romance‑Investment‑Betrug und Krypto‑Scams betrieben. Schätzungen zufolge betragen die illegalen Erlöse aus Cyberkriminalität und illegalem Glücksspiel in Kambodscha zwischen 12,5 Milliarden $ und 19 Milliarden $ jährlich – das entspricht etwa 60 % des Bruttoinlandsprodukts.
Technologische Faktoren
Neue Technologien senken die Eintrittsbarrieren für kriminelle Aktivitäten. Generative KI und „Cybercrime‑as‑a‑Service“-Modelle ermöglichen es Akteuren, ohne umfangreiche organisatorische Strukturen zu operieren. Eine Umfrage aus dem Jahr 2025, die in 42 Ländern durchgeführt wurde, ergab, dass 57 % der erwachsenen Bevölkerung weltweit mindestens einen Betrug erlebt haben und 23 % in den letzten zwölf Monaten Geld verloren haben.
Reaktionen der Justizsysteme
Justizbehörden stehen unter erheblichem Druck. Der Bericht weist auf eine verstärkte Militarisierung der Polizeiarbeit, strengere Strafvollzugsmaßnahmen und die Herabsetzung des Mindestalters der strafrechtlichen Verantwortlichkeit in Teilen von Ozeanien, Ostasien und Lateinamerika hin. Gleichzeitig übernehmen Staaten Überwachungs‑ und KI‑Technologien schneller, als entsprechende Regelungen entwickelt werden.
Erfolgsbeispiele und Forschungsempfehlungen
Als positives Beispiel nennt der Bericht den anhaltenden Rückgang der Mordrate in São Paulo, Brasilien, der seit den frühen 2000er‑Jahren mit datenbasierter Polizeiarbeit, Waffenbeschränkungen und kommunalen Präventionsmaßnahmen verbunden ist. Der Bericht schlägt fünf Forschungs‑ und Koordinationsbereiche vor: Verbreitung neuer krimineller Modelle, Überschneidungen verschiedener Kriminalitätsformen, langfristige Auswirkungen auf das Kriminalitätsniveau und das Vertrauen in Institutionen, transaktionale versus dauerhafte Kooperationen sowie die Folgen einer multipolaren Welt für institutionelle Arbeit.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Vereinte Nationen, lizenziert unter Public Data / Terms of Use (Attribution Required). Quelle unterliegt den Nutzungsbedingungen der jeweiligen internationalen Organisation.
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