Am 7. Oktober 2026 fand im Ausschuss für Tourismus des Deutschen Bundestages eine Expertenanhörung zur Elektrifizierung des Reisebusverkehrs statt. Vertreter von Verbänden, Unternehmen und Wissenschaft erläuterten, welche finanziellen, infrastrukturellen und regulatorischen Hürden beim Wechsel von Diesel‑ zu Elektrobussen zu bewältigen sind.
Aktuelle Lage der Bustouristik
Benedikt Esser, Präsident des RDA Internationaler Bustouristik‑Verband e.V., wies darauf hin, dass im Jahr 2025 im Vergleich zu 2019 22 % weniger Busurlaubsreisen durchgeführt wurden und die durchschnittlichen Kosten pro Reise um rund 35 % gestiegen seien. Der Jahresumsatz der Branche betrage etwa 5,9 Milliarden Euro, wobei mehr als die Hälfte der Reisenden 70 Jahre oder älter sei. Neue Reisebusse müssten bis 2030 den CO₂‑Ausstoß um 43 % reduzieren.
Kosten und Förderungsbedarf
Ein elektrischer Reisebus koste fast das Doppelte eines vergleichbaren Dieselbusses. Die aktuelle Bundesförderung reiche laut Esser nicht für Reiseveranstalter, die vorwiegend Auslandsreisen anbieten, und erhöhe die Mobilitätskosten deutlich. Esser plädierte für zusätzliche Entsorgungs‑ und Ladesäulen an Raststätten, um die Infrastruktur zu verbessern.
Marktperspektive und betriebliche Belastungen
Philipp Kürschner, Director Business DACH bei Flix SE, beschrieb die wirtschaftliche Lage der Busindustrie als grundsätzlich solide und betonte, dass die Pandemie‑bedingten Einbrüche nahezu aufgeholt seien. Kraftstoffkosten machten etwa 20 % der Gesamtkosten aus; jeder zusätzliche Cent pro Liter wirke sich unmittelbar auf die Betriebskosten aus. Kürschner kritisierte die von der Bundesregierung beschlossene Kürzung der staatlichen Förderung und forderte mehr Planungssicherheit sowie den Ausbau von Ladestationen an zentralen Omnibusbahnhöfen.
Branchenforderungen an die Verkehrswende
Christiane Leonard, Hauptgeschäftsführerin des bdo Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen e.V., forderte, den Bustourismus als integralen Bestandteil der Verkehrswende zu berücksichtigen. Sie betonte, dass die Anschaffung emissionsfreier Busse wirtschaftlich machbar sein müsse und nannte die steigenden Dieselpreise als zentrales Problem: Ein Unternehmen mit zehn Bussen trage durch höhere Dieselpreise eine Mehrbelastung von 144 000 Euro, nach Berücksichtigung von Tankrabatten noch 110 000 Euro.
Wissenschaftliche Empfehlungen
Prof. Dr. Kai Nagel, Professor für Verkehrsplanung und Verkehrstelematik an der Technischen Universität Berlin, hob die Vielseitigkeit der Bustouristik hervor – von bezahlbaren Gruppenreisen bis hin zu Anbindungen abseits des Schienennetzes. Er empfahl dem Bund, kommunale Buskonzepte zu fördern, Modellprojekte mit umfassender Netz‑ und Kapazitätsplanung zu unterstützen und die Antriebswende planbar zu finanzieren, einschließlich Ladeinfrastruktur an touristischen Zielen und intelligentem Lastmanagement.
Praxisnahe Einschätzungen zur Elektromobilität
Thomas‑Christian Seitz, Geschäftsführer der Eurabus GmbH, betonte, dass Elektrobussen bereits heute wirtschaftlich seien, da sie 30‑60 % geringere Verbrauchskosten und niedrigere Wartungskosten als Dieselbusse aufweisen. Er verwies auf Strecken wie Berlin‑Hamburg mit hohem Verkehrsaufkommen, wo sich die Anschaffung nach drei bis vier Jahren amortisiere. Seitz sah jedoch Hürden bei der Schnellladung großer Busse, da bestehende Schnellladestationen häufig für Pkw ausgelegt seien.
Zusammenfassung und Ausblick
Die Anhörung verdeutlichte, dass ein erfolgreicher E‑Umstieg in der Bustouristik ein Zusammenspiel aus finanzieller Förderung, zuverlässiger Ladeinfrastruktur an zentralen Knotenpunkten, langfristiger Planungssicherheit und branchenspezifischer Forschung erfordere. Ohne diese Maßnahmen könnten die angestrebten CO₂‑Reduktionen und die Integration von Bussen in die Verkehrswende gefährdet bleiben.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Deutscher Bundestag, lizenziert unter Amtliches Werk gem. § 5 UrhG (Deutschland).
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