USA: Erhöhtes Risiko für Red‑Breast‑Syndrom nach neoadjuvanter Chemotherapie bei Einsatz von ADM
Eine retrospektive Kohortenstudie an einer deutschen Universitätsklinik hat gezeigt, dass das Red‑Breast‑Syndrom (RBS) bei Patienten, die nach neoadjuvanter Chemotherapie (NAC) eine Brustrekonstruktion mit acellularer Dermalmatrix (ADM) erhalten, signifikant häufiger auftritt. Von 47 ADM‑Patienten entwickelten 15 Fälle (31,9 %) das Syndrom, während in der Vergleichsgruppe ohne ADM (n = 23) kein einziger Fall beobachtet wurde (p = 0,001).
Hintergrund und Zielsetzung
RBS stellt eine postoperative Komplikation bei der Verwendung von ADM in der Brustrekonstruktion dar. Bisher war unklar, welche hämatologischen Parameter das Risiko bei Patienten nach NAC vorhersagen können. Die Studie zielte darauf ab, präoperative Laborwerte zu identifizieren, die mit dem Auftreten von RBS assoziiert sind, und ein kombiniertes Vorhersagemodell zu entwickeln.
Studiendesign und Patientenkollektiv
Zwischen Januar 2011 und Mai 2025 wurden 70 Patientinnen, die sich einer hautsparenden Mastektomie mit sofortiger implantatbasierter Rekonstruktion nach NAC unterzogen, analysiert. Die Teilung erfolgte in eine ADM‑Gruppe (n = 47) und eine Nicht‑ADM‑Gruppe (n = 23). Für die statistische Modellbildung wurde innerhalb der ADM‑Gruppe eine Firth‑penalisierte logistische Regression mit schrittweiser Rückwärtselimination eingesetzt.
Identifizierte Risikofaktoren
Die finale Analyse ergab drei unabhängige Prädiktoren für das Auftreten von RBS: die präoperative Anzahl weißer Blutkörperchen (WBC) (OR = 1,235, 95 % CI 1,066–1,502, p = 0,004), die Thrombozytenzahl (PLT) (OR = 1,013, 95 % CI 1,001–1,028, p = 0,037) und ein hoher Ki‑67‑Index (OR = 8,975, 95 % CI 1,356–155,173, p = 0,020). Einzelne Biomarker zeigten nur eine mäßige Diskriminierungsfähigkeit (AUC 0,605–0,641, p > 0,10).
Kombiniertes Vorhersagemodell
Ein zusammengesetzter Score, der die drei Parameter (WBC + PLT + Ki‑67‑High) kombiniert, erreichte eine Fläche unter der ROC‑Kurve von 0,816 (p < 0,001) mit einer Sensitivität von 86,7 % und einer Spezifität von 71,9 %. Der bootstrap‑korrigierte AUC betrug 0,817 (95 % CI 0,636–0,959, Optimismus = −0,001). Der Score zeigte zudem einen negativen prädiktiven Wert von 92,0 %.
Interpretation und Ausblick
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Risiko für RBS bei post‑NAC‑Patienten, die mit ADM rekonstruiert werden, deutlich erhöht ist. Das entwickelte Kombinationsscore‑Modell könnte künftig zur präoperativen Risikostratifizierung eingesetzt werden, muss jedoch in prospektiven, multizentrischen Studien extern validiert werden, bevor es klinisch angewendet wird.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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