International: Afrikanische Parlamentarier verabschieden umstrittene Charta gegen „Gender‑Ideologie“
Verabschiedung der Charta in Accra
Vom 3. bis 6. Juni 2026 fand in Accra, Ghana, die vierte Afrikanische Interparlamentarische Konferenz zu Familie, Souveränität und Werten statt. Vertreter aus 20 Staaten nahmen teil und einigten sich einstimmig auf die „African Charter on the Protection of the Family, Sovereignty, and Religious and Cultural Values“. Die Charta definiert unter anderem den Begriff „Gender‑Ideologie“ und fordert die Ablehnung externer EinflĂĽsse, die als Bedrohung fĂĽr afrikanische Kultur und Familie angesehen werden.
Inhalt der Charta
Artikel 1 beschreibt „Gender‑Ideologie“ als ein Set von Ăśberzeugungen, das Geschlecht von der biologischen Realität trennt und ein Spektrum von Identitäten anerkennt. Die Charta argumentiert, dass solche Vorstellungen die traditionellen Werte und religiösen Normen des Kontinents unterminieren und fordert, dass Staaten entsprechende Konzepte nicht umsetzen.
Nationaler Rechtsrahmen in Ghana
Eine Woche vor der Konferenz verabschiedete das ghanaische Parlament ein Gesetz, das die Identifikation als lesbisch, schwul, bisexuell, transgender oder queer mit bis zu drei Jahren Haft bestraft und die Förderung entsprechender Identitäten kriminalisiert. Das neue Gesetz gilt als eines der restriktivsten seiner Art auf dem Kontinent.
Reaktionen anderer Staaten
Parlamentarier aus Südafrika lehnten die Charta ab und verwiesen auf Unvereinbarkeiten mit ihrer Verfassung. Vertreter aus Mosambik enthielten sich, wobei logistische Schwierigkeiten als Grund genannt wurden. Andere Teilnehmer äußerten Unterstützung, während einige Beobachter die Initiative als politisch motiviert kritisierten.
Einbindung externer Akteure
Die Konferenz wird mit der US‑basierten Organisation Family Watch International in Verbindung gebracht, die Schulungen für Politiker zu Themen wie Sexualerziehung und LGBTQ‑Rechten anbietet. Family Watch bestreitet direkte Verbindungen zur Konferenz, während Vertreter des Christian Council International in den Niederlanden als Förderer der Charta genannt werden.
Kritik von Menschenrechtsorganisationen
Der Initiative for Strategic Litigation in Africa (ISLA) zufolge könnte die Charta zu einer Rückschrittlichkeit im afrikanischen Menschenrechtsrecht führen und bestehende Schutzinstrumente wie die Afrikanische Charta der Menschen- und Völkerrechte schwächen. Amnesty International berichtete, dass im Jahr 2024 in 31 afrikanischen Staaten einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen weiterhin strafbar sind, was im Widerspruch zu den Prinzipien der Afrikanischen Union steht.
Regionale Entwicklungen und Medienberichterstattung
Zusätzlich zu Ghana haben Niger und Senegal kĂĽrzlich strengere Gesetze gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen verabschiedet. Ein Instagram‑Account namens „Africa Is Powerful“ lobte die Strafverschärfung in Niger als Schutz traditioneller Werte. Die katholische Fachpresse, etwa der Catholic Herald, berichtete ĂĽber die wachsende Bedeutung Afrikas fĂĽr die globale katholische Kirche und die damit verbundene UnterstĂĽtzung traditioneller Lehren.
Ausblick
Die Verabschiedung der Charta und die nationalen Gesetzesinitiativen markieren einen bedeutenden Schritt in der Debatte um Geschlechterrollen und sexuelle Orientierung auf dem Kontinent. Beobachter betonen, dass die weitere Entwicklung stark von internationalen Menschenrechtsdiskursen und regionalen politischen Entscheidungen abhängen wird.
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