International: Afrikanische Regierungen sollen Umwelt‑ und Sozialverträglichkeitsprüfungen für KI‑Infrastruktur einführen
Der chadische Umweltaktivist Hindou Oumarou Ibrahim fordert, dass afrikanische Regierungen bei der Einführung nationaler Künstliche‑Intelligenz‑Strategien verpflichtend Umwelt‑ und Sozialverträglichkeitsprüfungen für KI‑Infrastruktur durchführen. Die Forderung wurde im Rahmen des ersten Globalen Dialogs zur KI‑Governance der Vereinten Nationen im Juli in Genf geäußert.
Hintergrund der Forderung
Ibrahim erklärt, dass KI‑Projekte nicht nur digitale Risiken, sondern auch erhebliche Belastungen für Wasser, Land und Biodiversität mit sich bringen. Datenzentren benötigen Energie, Wasser und Flächen, während die dafür benötigten Hardwarekomponenten auf mineralische Rohstoffe zurückgreifen, die häufig aus indigenen Territorien stammen.
Indigene Rechte und kollektive Daten
Nach Angaben des Aktivisten schützen konventionelle Datenschutzgesetze vorwiegend individuelle Daten. Damit seien kollektive Rechte an Sprache, kulturellem Erbe und territorialen Informationen unzureichend gesichert. Ibrahim betont, dass indigene Völker als Rechteinhaber und Entscheidungsträger anerkannt werden müssen, insbesondere wenn KI‑Systeme ihr Wissen oder ihre Territorien betreffen.
Praxisbeispiele aus Afrika
In Chad habe ein Projekt mit partizipativer Kartierung, Satellitendaten und prädiktiven KI‑Tools geholfen, Dürreperioden vorherzusagen und Migrationsrouten von Viehhirten zu schützen. Ähnliche Initiativen in der Sahel‑Region zeigen, dass KI lokale Expertise ergänzen kann, wenn die Gemeinschaften aktiv eingebunden werden.
Risiken ohne ökologische Leitplanken
Ibrahim warnt, dass fehlende ökologische Vorgaben KI‑Anwendungen dazu verleiten könnten, Rohstoffabbau, Energieverbrauch und Infrastrukturprojekte zu beschleunigen. Ohne freie, vorherige und informierte Zustimmung der betroffenen Gemeinschaften bestünde die Gefahr einer verstärkten Landenteignung und eines Verlusts an Biodiversität.
Empfehlungen für die Politik
Der Aktivist empfiehlt, dass Regierungen die Teilnahme indigener Vertreter in allen Phasen der KI‑Governance institutionalisiere, von der Rohstoffförderung über den Bau von Datenzentren bis hin zur Nutzung von Datenmodellen. Zudem solle in den Aufbau von afrikanischen, gemeindebasierten KI‑Kapazitäten investiert werden, um lokale Forschungseinrichtungen und Innovationszentren zu stärken.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Quelle beachten. Lizenzangabe konnte nicht eindeutig zugeordnet werden.
Ende der Uebertragung