International: AI‑gestützte Verkehrskameras in Dhaka erfassen seit Mai 2026 tausende Verstöße
Seit dem 7. Mai 2026 senden KI‑basierte Verkehrskameras in Dhaka, Bangladesch, automatisierte Verstoßmeldungen an Fahrzeughalter. Die Kameras, die von der Dhaka Metropolitan Police (DMP) an wichtigen Kreuzungen installiert wurden, erkennen rote Ampeln, Überfahren der Haltelinie und falsches Befahren der linken Fahrspur, scannen das Kennzeichen und leiten ein Bußgeldverfahren ein.
Funktionsweise des Systems
Bei einem erkannten Verstoß speichert die Kamera einige Sekunden Video, vergleicht das Kennzeichen mit der Datenbank der Bangladesh Road Transport Authority (BRTA) und sendet innerhalb weniger Stunden eine Mitteilung an die im Register hinterlegte Adresse des Fahrzeughalters. Der Halter kann das Video online einsehen und das Bußgeld über offizielle Bankwege begleichen.
Erste Ergebnisse und geplante Ausweitung
Laut Angaben der DMP wurden in den ersten zehn Tagen rund 1 000 Fälle registriert. Die Behörde plant, innerhalb von sechs Monaten an mindestens 500 Punkten in der Stadt automatisierte Kameras zu betreiben, um die manuelle Fallbearbeitung durch Verkehrsinspektoren weitgehend zu ersetzen.
Reaktionen der Öffentlichkeit
In den Facebook‑Gruppen „Traffic Alert“ (447 000 Mitglieder) und „Dhaka Traffic Update“ (37 300 Mitglieder) äußern sich Fahrer und Bürger gemischt. Der private Fahrer Osman Gani lobt die Maßnahme, weil sie das Tragen von Sicherheitsgurten und die Einhaltung von Ampeln fördere. Andere Nutzer kritisieren, dass Busse, CNG‑Fahrzeuge und Rikschas, die häufig keine Kennzeichen tragen, nicht erfasst würden und das System damit nur einen Teil des Verkehrs regelte.
Probleme mit nicht registrierten Fahrzeugen
Rikschas ohne Kennzeichen, die in großer Zahl auf den Straßen unterwegs sind, bleiben für das System unsichtbar. Professor B M Mainul Hossain vom Institut für Informationstechnologie der Universität Dhaka betont, dass die Wirksamkeit des Projekts von einer klaren Regelung für nicht registrierte Fahrzeuge, Transparenz und einem wirksamen Beschwerdeverfahren abhänge.
Sicherheitsbedenken und Betrugsversuche
Nach dem Start meldeten Bürger, dass Betrüger telefonisch vorgeben, ein Bußgeld erhalten zu haben, und Geld fordern. Die DMP wies darauf hin, dass Zahlungen ausschließlich über offizielle Bankkanäle zu erfolgen haben. Ein viraler Beitrag zeigte angeblich eine gestohlene Kamera; später stellte sich heraus, dass ein Verkehrssignal bei starkem Wind umgefallen war.
Ausblick und Forderungen
Die DMP strebt eine flächendeckende, automatisierte Verkehrsüberwachung an, während Experten darauf hinweisen, dass Technologie allein nicht ausreiche. Eine umfassende Reform des gesamten Verkehrmanagements, ein transparentes Beschwerdeverfahren und klare Regelungen für nicht registrierte Fahrzeuge seien nötig, um das System gerecht und wirksam zu machen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Creative Commons BY. Offene journalistische Inhalte.
Ende der Übertragung