Eine retrospektive Kohortenanalyse von 3,36 Millionen erstmals diagnostizierten Krebspatienten in den USA ergab, dass das Auftreten von sekundären Primärkrebsarten (SPC) stark von Alter, Geburtskohorte und Diagnosezeitraum abhängt. Insgesamt wurden über 29,5 Millionen Personen‑Jahre 510 340 SPC‑Fälle registriert.
Methodik
Die Untersuchung nutzte Daten des Surveillance, Epidemiology, and End Results (SEER)‑Programms aus acht Registern für die Jahre 1975 bis 2019 und verfolgte die Überlebenden bis 2022. Alter‑Perioden‑Kohorten‑Analysen lieferten Alterskurven, Kohorten‑ und Perioden‑Rate‑Ratios sowie jährliche prozentuale Änderungen der SPC‑Inzidenz, getrennt nach Geschlecht und den fünf häufigsten Index‑Krebsarten.
Altersabhängige Muster
Die Inzidenz von SPC stieg mit zunehmendem Alter zum Zeitpunkt der Erstdiagnose. Bei Frauen wuchs die Rate von 915 pro 100 000 Personen‑Jahren im Alter von 35–39 Jahren auf 1 980 pro 100 000 bei 75–79 Jahren; bei Männern von 1 228 auf 2 945 pro 100 000 im gleichen Altersbereich, wobei der Anstieg bei Männern steiler war.
Kohortenbezogene Trends
Die höchste SPC‑Risiko‑Rate wurde bei den Geburtskohorten 1935–1945 beobachtet, danach nahm das Risiko in späteren Kohorten ab. Ausnahmen bildeten weibliche Überlebende von Lungenkrebs und männliche Überlebende von Blasenkrebs, bei denen das Risiko weiter anstieg.
Periodenbezogene Entwicklungen
Über die Beobachtungszeiträume hinweg sank die SPC‑Inzidenz insgesamt, besonders bei Überlebenden, die in jüngeren Jahren diagnostiziert wurden. Gleichzeitig stieg das Risiko jedoch bei Personen, die im höheren Alter erstmals erkrankt waren, sowie bei bestimmten Index‑Krebsarten.
Spezifische Krebsarten
Bei weiblichen Lungenkrebs‑Überlebenden erhöhte sich die SPC‑Inzidenz zwischen den Perioden 1975–1979 und 2015–2019 um 60 % (Inzidenz‑Rate‑Ratio = 1,60, 95 %‑KI [1,22, 2,09]; p < 0,001).
Einschränkungen und Ausblick
Die Analyse ist deskriptiv und berücksichtigt weder Behandlungsdetails, genetische Faktoren noch Lebensstilvariablen. Die Ergebnisse betonen die Notwendigkeit, Nachsorgeprogramme individuell nach Alter, Kohorte und Index‑Krebssorte zu gestalten, um die zukünftige Belastung durch sekundäre Krebserkrankungen zu reduzieren.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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