International: Anstieg der Inhaftierung indigener Jugendlicher in Australien laut Regierungsbericht
Kernergebnisse des Regierungsberichts
Ein aktueller Bericht der australischen Productivity Commission, veröffentlicht im Rahmen des Nationalen Abkommens zur Schließung der Lücke, dokumentiert einen weiteren Anstieg der Inhaftierung indigener Menschen. Der Bericht zeigt, dass die Rate der inhaftierten First‑Nations‑Erwachsenen im Jahr 2025 auf über 2.500 pro 100.000 Personen gestiegen ist, verglichen mit mehr als 2.300 im Vorjahr und rund 550 im Jahr 2019. Gleichzeitig liegt die durchschnittliche tägliche Zahl der inhaftierten Kinder im Alter von zehn bis siebzehn Jahren bei 25,7 pro 10.000 im Zeitraum 2024‑2025, ohne Fortschritt gegenüber dem Ziel einer 30 %igen Reduktion bis 2031.
Unbestrafte Haftdauer und finanzielle Belastungen
Der Bericht weist zudem darauf hin, dass indigene Jugendliche im Schnitt 57,2 Tage ohne Verurteilung in Haft verbringen. Die höchsten Werte wurden in Queensland (96,3 Tage) und Victoria (81,1 Tage) gemessen. Die Kosten für die Inhaftierung eines Kindes belaufen sich demnach auf rund 3.200 AUD pro Fall, während die jährlichen Gesamtausgaben pro Kind bei etwa 1.000.000 AUD liegen.
Internationale Kritik
Im Mai 2026 äußerte das UN‑Komitee zur Beseitigung rassistischer Diskriminierung Besorgnis über die anhaltende Überrepräsentation indigener Kinder im australischen Strafjustizsystem und wies auf strukturelle Diskriminierung hin. Das Komitee kritisierte zudem, dass das Mindestalter der strafrechtlichen Verantwortung in mehreren Bundesstaaten unter dem internationalen Menschenrechtsstandard liegt und in einigen Fällen bei zehn Jahren liegt.
Reaktionen von NGOs und Regierungsvertretern
Der National Aboriginal and Torres Strait Islander Legal Service (NATSILS) und über 200 weitere Organisationen unterzeichneten ein offenes Schreiben an Premierminister Anthony Albanese, in dem sie ein dringendes Handeln fordern. Amnesty International Australia startete im August 2026 die Kampagne „Kids Need Better“ und forderte unter anderem die Einführung verbindlicher Mindeststandards für die Behandlung von Kindern in Haft, eine Anhebung des strafrechtlichen Mindestalters auf mindestens 14 Jahre sowie Investitionen in indigene, gemeindebasierte Lösungen.
Weitere nationale Befunde
Laut dem Bericht der Australian Human Rights Commission von 2025 standen an einem durchschnittlichen Tag 4.542 Kinder unter Aufsicht des Jugendjustizsystems, davon 57 % indigene Kinder. Indigene Kinder waren demnach 23‑mal häufiger unter Aufsicht und 28‑mal häufiger in Haft als nicht‑indigene Kinder. Der Bericht betonte, dass viele dieser Kinder mit Armut, Gewalt, Traumata, psychischen Problemen, Obdachlosigkeit und Sucht zu kämpfen haben.
Politische Forderungen
Senator Malarndirri McCarthy, Bundesminister für indigene Angelegenheiten, forderte die Bundesländer und Territorien auf, ihre Verpflichtungen aus dem Nationalen Abkommen zu erfüllen und zusätzliche Investitionen sowie Reformen zur Verbesserung der Ergebnisse für First‑Nations‑Personen zu tätigen.
Zusammenfassung
Die vorliegenden Zahlen verdeutlichen ein anhaltendes Problem der disproportionalen Inhaftierung indigener Jugendlicher in Australien. Trotz verschiedener Initiativen und internationaler Kritik zeigen die Daten kaum Fortschritte bei der Erreichung der im Nationalen Abkommen festgelegten Ziele.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Quelle beachten. Lizenzangabe konnte nicht eindeutig zugeordnet werden.
Ende der Uebertragung