USA: Anti-Stigma-Training steigert Wissen, Einstellung und klinische Kompetenz von Medizinstudenten
Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat die Wirksamkeit des READ‑Programms (Responding to Experienced and Anticipated Discrimination) für Medizinstudenten untersucht und dabei signifikante Verbesserungen in Wissen, Haltung und klinischer Praxis gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen nachgewiesen.
Studienaufbau
Die Untersuchung wurde an einer medizinischen Fakultät durchgeführt und umfasste eine Interventionsgruppe, die das READ‑Training absolvierte, sowie eine Kontrollgruppe ohne Intervention. Vor und nach dem Training wurden die Mental Health Knowledge Schedule (MAKS), die Mental Illness Clinicians’ Attitudes version 2 (MICA2) und ein beobachtetes strukturiertes klinisches Prüfungsformat (OSCE) eingesetzt, um Wissen, Einstellungen und Verhaltensweisen zu erfassen.
Ergebnisse zu Wissen
Die Analyse der MAKS‑Ergebnisse zeigte keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen, was darauf hindeutet, dass das Training primär die Einstellungen und Fähigkeiten beeinflusste, während das Grundwissen bereits auf einem hohen Niveau lag.
Veränderungen in den Einstellungen
Die MICA2‑Scores der Interventionsgruppe verbesserten sich im Vergleich zur Kontrollgruppe deutlich. Nach Adjustierung für Alter, Geschlecht und Ausgangswerte lag die mittlere Differenz bei –7,88 Punkten (p < 0,001; 95 % KI: –10,23 bis –3,96), was auf eine merklich positivere Haltung gegenüber psychisch erkrankten Patientinnen und Patienten hinweist.
Verbesserungen in den klinischen Fähigkeiten
Im OSCE erzielte die Interventionsgruppe 4,45‑mal häufiger die Bewertung „Bestanden“ im Vergleich zur Kontrollgruppe (p = 0,046; 95 % KI: 1,03 bis 19,26) nach Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Ausgangs‑OSCE‑Scores. Diese Ergebnisse belegen eine gesteigerte praktische Kompetenz im Umgang mit erlebter und erwarteter Diskriminierung.
Bedeutung und Ausblick
Die positiven Veränderungen in Einstellung und klinischer Praxis legen nahe, dass gezielte Anti‑Stigma‑Schulungen das Verhalten von zukünftigen Ärztinnen und Ärzten nachhaltig beeinflussen können. Die Autoren empfehlen weiterführende Untersuchungen, um die kausalen Mechanismen und langfristigen Effekte des Trainings zu prüfen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access).
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