Eine aktuelle Untersuchung hat analysiert, welche Auswirkungen eine Veränderung der wöchentlichen Arbeitszeit um zehn Stunden auf verschiedene Wohlbefindensaspekte von Personen im Vorruhestand hat. Die Analyse beruht auf Daten des New Zealand Attitudes and Values Study (NZAVS) aus den Jahren 2020 bis 2023 und umfasst 24.579 Befragte.
Methodik und Stichprobe
Die Forscher haben ein Zielversuch‑Emulationsverfahren angewandt, um ein hypothetisches Experiment zu konstruieren und anschließend mit Beobachtungsdaten zu approximieren. Dabei wurden maschinelle Lernverfahren eingesetzt, um Ausgangsunterschiede zwischen den Gruppen auszugleichen und den Einfluss von Ausfällen zu berücksichtigen.
Ergebnisse bei mehr Arbeitszeit
Eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit um zehn Stunden führte am deutlichsten zu einem Anstieg von Müdigkeit und zu einer Reduktion der Schlafdauer. Darüber hinaus verschlechterten sich der Body‑Mass‑Index (BMI) und die subjektiv wahrgenommene körperliche Gesundheit, wobei diese Befunde stärker von möglicher Restkonfundierung abhängen. Ein leichter Anstieg des wahrgenommenen sozialen Supports wurde beobachtet, jedoch blieb dieser ebenfalls anfällig für Störfaktoren.
Ergebnisse bei weniger Arbeitszeit
Eine Reduktion der Arbeitszeit um zehn Stunden reduzierte Müdigkeit am deutlichsten. Gleichzeitig verbesserten sich BMI und die subjektive körperliche Gesundheit, wobei auch hier die Ergebnisse empfindlich gegenüber nicht erfassten Störgrößen waren. Für die Mehrheit der übrigen 28 Wohlbefindensindikatoren zeigte die Arbeitszeitverkürzung nur geringe Veränderungen.
Robustheit und Sensitivitätsanalysen
Die Autoren führten Sensitivitätsanalysen mittels E‑Values durch, um die Widerstandsfähigkeit der Ergebnisse gegenüber unbeobachteten Störfaktoren zu prüfen. Die Effekte auf Müdigkeit erwiesen sich als robust gegenüber moderat starken Residualkonfundierungen, während die übrigen Befunde stärker von potenziellen Störgrößen beeinflusst sein könnten.
Interpretation und Implikationen
Unter den getroffenen Annahmen deuten die Befunde darauf hin, dass Änderungen der Arbeitszeit vor allem die Erholung und die wahrgenommene körperliche Gesundheit beeinflussen, während breitere Wohlbefindensdimensionen weniger betroffen sind. Die Ergebnisse legen nahe, dass politische Maßnahmen zur Reduktion der Arbeitszeit potenziell positive Effekte auf die physische Erholung haben könnten.
Einschränkungen und Ausblick
Die Studie basiert auf Beobachtungsdaten und kann trotz fortgeschrittener statistischer Verfahren nicht alle potenziellen Störfaktoren ausschließen. Zukünftige Forschung sollte experimentelle Designs oder naturalistische Interventionen prüfen, um kausale Effekte weiter zu validieren.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
Ende der Übertragung