Deutschland: Bundeskanzler Merz würdigt 65 Jahre deutsch-türkisches Anwerbeabkommen
65. Jubiläum des Anwerbeabkommens
Am 4. Oktober 2026 hielt Bundeskanzler Merz beim Festakt zum 65. Jubiläum des deutsch‑türkischen Anwerbeabkommens eine Rede, in der er die Leistungen der türkischen Gastarbeiter für Wirtschaft und Kultur der Bundesrepublik hervorhob. Er betonte, dass aus den zunächst als Gastarbeiter Beschäftigten nach und nach Einwanderer und schließlich Deutsche wurden.
Historischer Kontext
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte Deutschland einen starken Wirtschaftsaufschwung und einen hohen Bedarf an Arbeitskräften. Am 30. Oktober 1961 unterzeichneten die Bundesrepublik und die Türkei ein Anwerbeabkommen. Im November 1961 kamen die ersten 55 türkischen Gastarbeiter am Flughafen Düsseldorf an.
Migrationszahlen bis 1973
Bis zum Jahr 1973 kamen insgesamt knapp 870 000 Menschen aus der Türkei nach Deutschland. Etwa eine halbe Million kehrte im selben Zeitraum wieder in die Türkei zurück, während ein erheblicher Teil dauerhaft in der Bundesrepublik verblieb.
Arbeitsmarkt und Qualifikation
Die meisten Gastarbeiter wurden in der Industrie eingesetzt, etwa in der Autoproduktion des Ford‑Werks in Köln. Im Vergleich zur türkischen Bevölkerung verfügten 80 % der Gastarbeiter über eine abgeschlossene Schulausbildung, während in der Türkei nur 44 % diesen Bildungsstand erreichten.
Frauen im Gastarbeiterprogramm
Rund ein Drittel der Gastarbeiter waren Frauen, die vor allem in der Textil‑, Nahrungsmittel‑, Elektrotechnik‑ und Eisenindustrie tätig waren. Ihre Löhne lagen dabei um 30 % bis 40 % unter denen ihrer männlichen Kollegen.
Integrationsbedingungen
Viele Gastarbeiter lebten in engen Sammelunterkünften, wobei die Arbeit im Mittelpunkt stand. Aufgrund der Erwartung einer Rückkehr in die Türkei fehlten systematische Integrationsmaßnahmen wie Sprachkurse oder Kontakte zur deutschen Bevölkerung.
Politische Maßnahmen
Im Jahr 1978 schuf die Bundesregierung das Amt des Integrationsbeauftragten, um die Unterstützung im Bildungsbereich zu verstärken. Die Kinder und Enkelkinder der Gastarbeiter wuchsen in Deutschland auf, besuchten Schulen und erlangten in der Regel fließende Deutschkenntnisse, was ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbesserte.
Aktuelle Situation
Heute leben mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland mit türkischem Migrationshintergrund. Sie gelten als wichtiger Teil der Gesellschaft, bereichern das Land mit Ideen, Kreativität und Wissen und haben zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen.
Ausblick des Kanzlers
Bundeskanzler Merz betonte, dass Deutschland und Europa weiterhin auf Fachkräfte angewiesen seien. Er forderte eine Fortsetzung der Integrationsgeschichte und betonte, dass eine funktionierende Aufstiegsgesellschaft den Wohlstandsmotor am Laufen halte und künftig wieder gezielte Einwanderung nötig sei.Dieser Bericht basiert auf Informationen von Bundesregierung, lizenziert unter Amtliches Werk gem. § 5 UrhG (Deutschland).
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