Deutschland: Bundestag hört Bildungslücken während der Corona-Pandemie auf
Sicherheits- und Gesundheitsaspekte
Am 12. Oktober 2026 fand im Rahmen der Enquete‑Kommission „Aufarbeitung der Corona‑Pandemie und Lehren für zukünftige pandemische Ereignisse“ eine öffentliche Anhörung zum Bildungssystem und zur jungen Generation statt. Die Versammlung brachte zentrale Defizite zum Ausdruck, die während der Pandemie das Lernumfeld von Schülern beeinträchtigten.
Psychische Belastungen und fehlende Sicherheit
Amy Kirchhoff von der Bundesschülerkonferenz berichtete, dass vielen Schülern vor allem Sicherheit fehlte. Durch die Schulschließungen sei ein vertrauter Raum weggebrochen, was zu stark ansteigenden mentalen Belastungen geführt habe.
Digitale Ausstattung und Nachholbedarf
Wendelin Haag, Vorsitzender des Deutschen Bundesjugendrings, betonte, dass Bildung nicht ausschließlich auf die Schule reduziert werden dürfe. Er wies darauf hin, dass an vielen Schulen die digitale Ausstattung mangelhaft gewesen sei und ein erheblicher Nachholbedarf bestünde.
Schulschließungen und Lernzeitverlust
Prof. Dr. Ludger Wößmann, Leiter des ifo‑Zentrums für Bildungsökonomie, erklärte, dass in Deutschland während der Pandemie mehr Schulen geschlossen worden seien als in anderen Ländern. Während der ersten Schließungsphase habe sich die Lernzeit halbiert, in der zweiten Phase sei sie nur geringfügig angestiegen. Kinder aus Familien mit geringer Förderung hätten besonders gelitten.
Individuelle Schulerfahrungen
Yukiko‑Mathilda Siber schilderte, dass sie als nicht geimpfte Schülerin mit einem Attest zur Maskenbefreiung hinter einer Plexiglaswand unterrichten musste. Sie berichtete von Abstandspflichten in den Fluren, von Spott durch Lehrkräfte und von dem Verlust sozialer Kontakte, ein Erlebnis, das sie nicht als Einzelfall ansah.
Stimmen aus Lehr‑ und Gewerkschaftsbereich
Stefan Düll, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, würdigte die während der Pandemie erbrachte Riesenleistung, kritisierte jedoch die lange Dauer der Schulschließungen. Doreen Siebernik von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft bezeichnete die Pandemie als tiefe Zäsur, die einen akuten Fachkräftemangel und einen Sanierungsstau im Bildungssektor offengelegt habe. Sie forderte einen festen Personalschlüssel für Kitas und eine dauerhafte Personalaufstockung an Schulen.
Ausblick und weitere Schritte
Die Enquete‑Kommission arbeitet interdisziplinär an einer Risiko‑ und Krisenbewältigungsstrategie, die bis Ende Juni 2027 einen Abschlussbericht mit konkreten Empfehlungen zur Prävention künftiger Gesundheitskrisen und zur Stärkung der gesellschaftlichen Resilienz liefern soll. Die Kommission besteht aus 14 Abgeordneten und 14 externen Sachverständigen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Bundestag, lizenziert unter Amtliches Werk gem. § 5 UrhG (Deutschland).
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