USA: Cannabisgebrauch und sexuelle Risikoverhalten bei jungen Erwachsenen in Bangkok
Hintergrund
Eine Untersuchung von Forschern aus Thailand analysierte den Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und sexuellen sowie HIV‑Präventionsverhalten junger Erwachsener, die Sexualgesundheitskliniken in Bangkok besuchten. Die Studie wurde nach der Entkriminalisierung von Cannabis in Thailand durchgeführt und richtete sich auf Personen im Alter von 18 bis 24 Jahren.
Methodik
Ein Selbstbericht‑Survey erfasste Daten von 200 Teilnehmern, darunter 35 % schwule Männer und 32 % Transgender‑Personen. Zusätzlich wurden Laborbefunde zu HIV und sexuell übertragbaren Infektionen (STI) aus den Patientenakten übernommen. Zur Bewertung des Cannabiskonsums wurde der Cannabis Use Disorder Identification Test‑Revised eingesetzt. Ergänzend führten die Forschenden 30 halbstrukturierte Interviews (15 Konsumenten, 15 Nicht‑Konsumenten) durch, um subjektive Wahrnehmungen zu erfassen.
Quantitative Ergebnisse
Von den 200 Befragten gaben 22 % an, im vergangenen Monat Cannabis konsumiert zu haben. Statistische Analysen zeigten, dass Cannabiskonsum signifikant mit sexuellem Kontakt unter dem Einfluss von Substanzen (Prävalenz‑Rate = 1,24, 95 %‑KI 1,09‑1,41) sowie mit Alkohol‑Einfluss (Prävalenz‑Rate = 1,12, 95 %‑KI 1,02‑1,24) assoziiert war. Für andere sexuelle Verhaltensweisen, die Adhärenz von PrEP, HIV‑Status oder STI‑Ergebnisse wurden keine signifikanten Zusammenhänge gefunden.
Qualitative Erkenntnisse
Die Interviews verdeutlichten divergierende Sichtweisen: Viele Konsumenten beschrieben eine gesteigerte Hemmungslosigkeit als Ursache für riskantes Sexualverhalten, während andere betonten, dass persönliche Verantwortung die entscheidende Determinante sei. Nicht‑Konsumenten äußerten häufig Bedenken, dass Cannabis das Urteilsvermögen beeinträchtigen könne, sahen jedoch gleichzeitig keine eindeutige Korrelation zu erhöhten Infektionen.
Interpretation der Befunde
Die Ergebnisse legen nahe, dass Cannabiskonsum insbesondere in Kombination mit Alkohol das Risiko für sexuell riskante Handlungen erhöhen kann, ohne jedoch direkte Auswirkungen auf HIV‑ oder STI‑Inzidenz nachzuweisen. Die Diskrepanz zwischen quantitativen Daten und individuellen Einschätzungen unterstreicht die Notwendigkeit, sowohl verhaltensbezogene als auch psychosoziale Faktoren zu berücksichtigen.
Implikationen fĂĽr die Praxis
Die Autoren empfehlen die Entwicklung zielgruppenspezifischer Präventionsprogramme in Sexualgesundheitskliniken, die sowohl Aufklärung über Substanz‑Einfluss als auch Strategien zur Stärkung persönlicher Verantwortung integrieren. Solche Maßnahmen könnten dazu beitragen, das Risiko von Substanz‑begleiteten sexuellen Begegnungen zu reduzieren, während sie den rechtlichen Rahmen der jüngsten Cannabis‑Politik berücksichtigen.Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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