Im Jahr 2021 litten weltweit rund 127 Millionen Menschen im Alter von 75 Jahren und älter an chronischer Nierenerkrankung (CKD). Während die altersstandardisierte Prävalenz im Vergleich zu 1990 leicht zurückging (EAPC = ‑0,06 %; 95 % UI: ‑0,09 % bis ‑0,03 %), stiegen die altersstandardisierten Inzidenz‑, Mortalitäts‑ und DALY‑Raten deutlich an (EAPCs von 0,50 %, 1,55 % bzw. 1,07 %). Diese Divergenz zwischen sinkender Prävalenz und steigender Mortalität kennzeichnet den aktuellen Trend.
Hintergrund
Die Analyse basiert auf Daten des Global Burden of Disease (GBD) 2021‑Studie, die erstmals den Krankheits‑ und Belastungsgrad von CKD speziell für die Bevölkerung ab 75 Jahren untersucht. Dieser Altersbereich weist die höchste Konzentration von Krankheitslast und die größte gesundheitliche Verwundbarkeit auf, weshalb er separat betrachtet wurde.
Methodik
Forscher extrahierten Prävalenz‑, Inzidenz‑, Mortalitäts‑ und DALY‑Werte für CKD aus dem GBD‑2021‑Datensatz für 204 Länder und Territorien. Alle Kennzahlen wurden altersstandardisiert, um internationale Vergleiche zu ermöglichen. Zur Trendanalyse wurden geschätzte jährliche prozentuale Änderungen (EAPC) berechnet und die Beziehung zwischen Krankheitslast und dem sozio‑demografischen Index (SDI) untersucht.
Ergebnisse zu Prävalenz und Inzidenz
Die leicht rückläufige Prävalenz deutet darauf hin, dass ein geringerer Anteil der älteren Bevölkerung von CKD betroffen ist. Gleichzeitig verzeichnete die Inzidenz jedoch einen kontinuierlichen Anstieg, was auf ein wachsendes Auftreten neuer Fälle hinweist. Die Mortalitätsrate stieg um 1,55 % pro Jahr, während die DALY‑Rate, ein Maß für krankheitsbedingte Lebensjahre, um 1,07 % pro Jahr zunahm.
Sozio‑ökonomische Zusammenhänge
Die Analyse zeigte eine komplexe Beziehung zwischen Krankheitslast und sozio‑ökonomischer Entwicklung. Regionen mit niedrigem SDI wiesen die höchste Mortalitätslast auf, während hoch‑entwickelte Regionen die schnellste Zunahme der Mortalitätsrate verzeichneten. Diese Muster legen nahe, dass unterschiedliche Entwicklungsstadien verschiedene Herausforderungen für das Management von CKD mit sich bringen.
Regionale und geschlechtsspezifische Heterogenität
Die Belastung variierte stark nach geografischen Regionen, wobei einige Länder sowohl hohe Inzidenz‑ als auch Mortalitätsraten aufwiesen. Zusätzlich wurden signifikante Unterschiede nach Geschlecht festgestellt, wobei Männer in mehreren Regionen höhere Inzidenz‑ und Mortalitätsraten zeigten.
Implikationen für die Gesundheitspolitik
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass öffentliche Gesundheitsstrategien nicht mehr auf ein einheitliches Vorgehen setzen können. Stattdessen sollten Interventionen alters‑ und kontextspezifisch gestaltet werden, um den wachsenden Bedarf an Prävention, Früherkennung und Behandlung von CKD in der älteren Bevölkerung zu adressieren. Die Studie liefert eine evidenzbasierte Grundlage für die Ressourcenallokation und Politikgestaltung im Zeitalter der demografischen Alterung.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access).
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