Eine prospektive Kohortenstudie hat gezeigt, dass ein höherer Creatinin‑Muskelindex (CMI) mit einem geringeren Auftreten von wahrscheinlicher Sarcopenie und einer niedrigeren Gesamtmortalität bei Patienten mit nicht‑dialysepflichtiger chronischer Nierenerkrankung (CKD) verbunden ist.

Studienaufbau und Datenerhebung

Im Rahmen der NURTuRE‑CKD‑Studie wurden zwischen Juli 2017 und September 2019 insgesamt 2.996 Patienten in mehreren britischen Zentren rekrutiert. Für 2.930 Teilnehmer standen gleichzeitig Serum‑Kreatinin‑ und Cystatin‑C‑Messungen zur Berechnung des CMI (mg/Tag) zur Verfügung.

Patientencharakteristik

Die Kohorte umfasste 1.723 männliche und 1.207 weibliche Patienten mit einem medianen Alter von 66 Jahren (IQR 53–74) und einem medianen eGFR‑Kreatinin von 34 ml/min/1,73 m². Während einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 50 Monaten verstarben 527 Patienten (18 %).

Zusammenhang zwischen CMI und wahrscheinlicher Sarcopenie

Nach Adjustierung für Alter, Ethnie, Body‑Mass‑Index, Raucherstatus, Charlson‑Komorbiditätsindex, Albumin‑zu‑Kreatinin‑Verhältnis im Urin und C‑reaktives Protein betrug das adjustierte Odds Ratio für wahrscheinliche Sarcopenie pro 100 mg/Tag Anstieg des CMI 0,72 (95 %‑KI 0,67–0,78) bei Männern und 0,81 (95 %‑KI 0,73–0,89) bei Frauen (p < 0,001).

Muskelkraft und Mobilität

Der CMI korrelierte positiv mit der Handgriffstärke (ρ = 0,47 bei Männern, ρ = 0,45 bei Frauen) und negativ mit der Zeit beim Timed‑Get‑up‑and‑Go‑Test (ρ = ‑0,37 bei Männern, ρ = ‑0,44 bei Frauen), was auf eine bessere Muskelfunktion bei höheren CMI‑Werten hinweist.

Mortalität

In den multivariaten Cox‑Modellen verringerte sich das Hazard Ratio für Gesamtmortalität pro 100 mg/Tag Anstieg des CMI auf 0,85 (95 %‑KI 0,78–0,90) bei Männern und 0,77 (95 %‑KI 0,67–0,87) bei Frauen (p < 0,001). Der C‑Index des CMI für die Vorhersage von Mortalität lag bei 0,70 (Männer) bzw. 0,76 (Frauen) und übertraf damit die Werte von eGFR‑Ratio und eGFR‑Differenz signifikant.

Einschränkungen und Schlussfolgerungen

Die Beobachtungsnatur der Studie, das Fehlen direkter Muskelmasse‑Messungen und die Beschränkung auf sekundärmedizinisch betreute CKD‑Patienten limitieren die Generalisierbarkeit. Dennoch deutet die Evidenz darauf hin, dass der CMI ein nützliches Biomarker zur Bewertung von Muskelfunktion und Prognose bei Patienten mit reduzierter Nierenfunktion sein könnte.

Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS Medicine, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access).

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