Sonstige: Studie zu psychischer Gesundheit während COVID‑19‑Beschränkungen in Südaustralien
Hintergrund
Eine aktuelle Untersuchung hat die Zusammenhänge zwischen psychischen Belastungen und sozioökonomischen sowie gesundheitlichen Merkmalen während der COVID‑19‑Beschränkungen analysiert. Die Analyse beruht auf Daten von 1 320 Personen, die in zwei bereits bestehenden, langfristigen Kohorten aus Süd‑Australien befragt wurden.
Methodik
Die Teilnehmenden stammten aus der North West Adelaide Health Study (NWAHS, n = 982) und der Florey Adelaide Male Ageing Study (FAMAS, n = 338). Befragt wurden sie zwischen Oktober 2020 und Mai 2021. Depressive Symptome wurden mit dem Centre for Epidemiologic Studies Depression Scale (Grenzwert ≥ 16) bzw. dem Beck Depression Inventory 1A (Grenzwert ≥ 13) erfasst, Angstsymptome mit dem Generalised Anxiety Disorder‑Fragebogen (Score 10–21).
Ergebnisse
Von den Befragten waren 62,4 % (n = 824) 65 Jahre oder älter, 37,8 % waren zum Zeitpunkt der Befragung erwerbstätig. Depressive und Angstsymptome traten besonders häufig bei Personen im Alter von 35‑54 Jahren auf (Odds Ratio = 1,92, 95 %‑KI = 1,01–3,67). Finanzielle Belastungen (OR = 1,81, 95 %‑KI = 1,02–3,21), Veränderungen der Nahrungsaufnahme, fehlende oder seltene soziale Unterstützung (OR = 2,74, 95 %‑KI = 1,48–5,07), ein geringes Gefühl von Kontrolle oder Selbstwirksamkeit seit Beginn der Pandemie (OR = 6,00, 95 %‑KI = 3,37–10,6) und schlechter Schlaf während der Beschränkungen (OR = 7,94, 95 %‑KI = 4,25–14,8) erhöhten das Risiko für depressive bzw. Angstsymptome signifikant.
Einfluss von Geschlecht und Alter
Der Wechsel des psychischen Befindens von der Zeit vor COVID‑19 zur Pandemie zeigte einen signifikanten Zusammenhang mit dem Geschlecht (p = 0,013) und dem Alter (p < 0,001). Frauen und jüngere Teilnehmende (35‑54 Jahre) berichteten häufiger über depressive Symptome sowohl vor als auch während der Pandemie. Bei jüngeren Erwachsenen war die Prävalenz depressiver Symptome ausschließlich während der Beschränkungen erhöht.
Schlussfolgerungen
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass depressive und Angstsymptome während der COVID‑19‑Beschränkungen im Vergleich zur Vor-Pandemie‑Phase beständig waren. Personen mit einer Vorgeschichte von Depressionen wiesen ein besonders hohes Risiko auf. Die Autoren empfehlen, dass zukünftige, staatlich finanzierte Maßnahmen gezielte psychische und soziale Unterstützungsangebote für besonders gefährdete Gruppen bereitstellen sollten.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
Ende der Ăśbertragung