USA: Digital Product Passports im Bauwesen – Studie zu Verbraucherwahrnehmungen
EinfĂĽhrung und Zielsetzung
Eine interdisziplinäre Untersuchung von Annkathrin Sinning, Sophie Würger und weiteren Autorinnen und Autoren hat die Wirkung von Digital Product Passports (DPP) auf die Bewertung von Betonbauteilen analysiert. Ziel war es, zu prüfen, ob standardisierte digitale Informationen die Akzeptanz von recyceltem Aggregatbeton (RAC) im Vergleich zu natürlichem Aggregatbeton (NAC) verbessern können.
Methodisches Vorgehen
Im Rahmen eines szenariobasierten Vignettenexperiments wurden 83 Teilnehmer gebeten, acht DPP-Mock‑Ups zu beurteilen. Die Mock‑Ups variierten systematisch hinsichtlich des Materials (RAC vs. NAC), des angegebenen Umweltauswirkungsgrades (niedrig vs. hoch) und der strukturellen Leistungsfähigkeit (hoch vs. niedrig). Für jedes DPP wurden Zahlungsbereitschaft, wahrgenommener Umweltwert, wahrgenommenes Funktionsrisiko und Produktpräferenz erfasst.
Einfluss des Materials und der Umweltkennzahl
Die Analyse mittels wiederholter Mess‑ANOVAs zeigte signifikante Haupteffekte des Materials und der Umweltkennzahl auf den wahrgenommenen Umweltwert. RAC wurde im Durchschnitt als umweltfreundlicher eingestuft als NAC, während ein niedriger Umweltauswirkungsgrad den Umweltwert zusätzlich steigerte.
Einfluss der strukturellen Leistungsangabe
Bezüglich des wahrgenommenen Funktionsrisikos ergaben sich klare Haupteffekte von Material und struktureller Leistungsangabe. RAC wurde als riskanter eingeschätzt als NAC, wobei eine Angabe hoher struktureller Leistung das Risikoempfinden minderte.
Zahlungsbereitschaft und Produktpräferenz
Die Zahlungsbereitschaft sowie die Produktpräferenz waren für RAC höher als für NAC, für niedrige Umweltbelastung höher als für hohe und für hohe strukturelle Leistung höher als für niedrige. Diese Muster deuten darauf hin, dass positive technische und ökologische Angaben die Akzeptanz von recyceltem Beton stärken können.
Interpretation der Ergebnisse
Die Ergebnisse legen nahe, dass DPP‑Designs die Zielgruppe spezifisch ansprechen müssen, um mögliche Verzerrungen bei der Verarbeitung technischer und Nachhaltigkeitsinformationen zu reduzieren. Insbesondere sollten Risiken und Umweltvorteile ausgewogen präsentiert werden, um fundierte, ressourceneffiziente Entscheidungen zu unterstützen.
Implikationen fĂĽr die Praxis
Die Studie empfiehlt, dass Unternehmen im Bauwesen DPPs nutzen, um transparente Produktinformationen über den gesamten Lebenszyklus hinweg bereitzustellen. Durch die gezielte Gestaltung von DPP‑Inhalten könnten die Marktakzeptanz von recyceltem Beton gesteigert und damit ein Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasemissionen im Bausektor geleistet werden.Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access).
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