In Brasilien werden großflächige Agrarbetriebe zunehmend durch Künstliche Intelligenz und digitale Plattformen gesteuert, was zu einer verstärkten Verdrängung traditioneller Gemeinschaften und zu erheblichen Umweltauswirkungen führt. Die Technologie wird von großen Technologieunternehmen, Agrarkonzernen und Finanzinvestoren gemeinsam eingesetzt, um landwirtschaftliche Flächen zu überwachen, zu bewirtschaften und zu handeln.
Digitale Agrarindustrie und ihre Akteure
Der Einsatz von Sensoren, Fernerkundung und automatisierten Flotten ermöglicht eine präzise, aber stark zentralisierte Kontrolle über landwirtschaftliche Prozesse. Laut dem Bericht von Global Voices wird diese Praxis von einer Allianz aus „Big Tech“, „Big Agro“ und „Big Money“ getragen, die digitale Werkzeuge als Lösung für Herausforderungen wie Bodenerosion und Schädlingsbefall vermarkten.
Auswirkungen auf traditionelle Gemeinschaften
Die Digitalisierung reduziert die Präsenz von Menschen im Feld und ersetzt lokales, generationsübergreifendes Wissen durch algorithmische Entscheidungsfindungen. Traditionelle Gemeinschaften, die seit Jahrhunderten im Cerrado‑Gebiet des Matopiba‑Raums leben, werden in den digitalen Karten häufig nicht erfasst, weil die Algorithmen ausschließlich kommerzielle Flächen erkennen.
Fallbeispiel Gleba Tauá
In der Gemeinde Gleba Tauá im Norden von Tocantins, die seit fast einem Jahrhundert von einheimischen Familien besiedelt ist, führen digitale Landregistrierungen über das System des Rural Environmental Registry (CAR) zu einer unsichtbaren Überlagerung von Besitzansprüchen. Diese Praxis ermöglicht es Großgrundbesitzern, öffentliche und kollektive Flächen als Privateigentum zu deklarieren, was zu massiver Abholzung und zur Schaffung eines sogenannten „Fiktiven Brasilien“ führt.
Technologische Mittel und Gewalt
Zusätzlich zu den digitalen Registrierungen werden Drohnen eingesetzt, die unter dem Vorwand der Nachhaltigkeit über landwirtschaftlichen Betrieben fliegen und dabei Chemikalien versprühen. Diese Einsätze erzeugen Angst und zwingen Kleinbauern, ihre Felder aufzugeben.
Ansätze für eine menschenrechtsbasierte KI
Der Bericht betont, dass die Annahme technischer Neutralität fehlgeleitet ist. Eine menschenrechtsorientierte KI müsse transparent sein, dezentral verwaltet werden und die Kontrolle über die Daten den betroffenen Gemeinschaften zurückgeben. Öffentliche technologische Infrastrukturen sollten so gestaltet werden, dass sie die Kartierung und den Schutz sozialer Territorien ermöglichen.
Forderungen und Ausblick
Experten fordern die Einführung von Partizipationsmechanismen, die Einbindung lokaler Wissenssysteme und die Regulierung von digitalen Landregistrierungen, um die Verdrängung von Gemeinschaften zu verhindern. Ohne solche Maßnahmen bestünde die Gefahr, dass digitale Agrarwirtschaft weiter zur Marginalisierung von Menschen und zur Zerstörung von Ökosystemen beiträgt.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Creative Commons BY. Quelle unterliegt den Nutzungsbedingungen der jeweiligen internationalen Organisation.
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