Eine aktuelle Untersuchung hat gezeigt, dass US-Studenten bei der Gestaltung von Wissenschaftler‑Avataren weiterhin stark von traditionellen Geschlechts‑ und Rassenstereotypen beeinflusst werden. Die Autoren geben an, dass 371 Teilnehmende (Durchschnittsalter = 19,10 Jahre, SD = 1,90) im Rahmen einer neu entwickelten digitalen Version des Draw‑a‑Scientist‑Verfahrens ihre Vorstellungen von Wissenschaftlern visualisierten.
Methodik
Die Studie nutzte die Design‑a‑Scientist‑Avatar‑App, mit der Teilnehmende einen individuellen Wissenschaftler‑Avatar erstellen konnten. Neben der Auswahl von Kleidung und Symbolen wurden die Hauttöne des Avatars in Bezug auf Sättigung und Helligkeit erfasst, um mögliche Assoziationen zu Hautfarbe zu messen. Zusätzlich füllten die Teilnehmenden Fragebögen zu expliziten STEM‑Stereotypen und zu farblosen rassistischen Einstellungen aus.
Ergebnisse zu Hauttönen
Die Analyse ergab, dass die gemessenen Hautfarbwerte signifikant mit den Beschreibungen der Avatare als „Weiß“ oder „Schwarz“ korrelierten. Damit bestätigt die digitale Methode ihre Eignung, Farbattribute quantifizierbar zu erfassen und Rückschlüsse auf rassische Stereotype zu ziehen.
Einfluss von Geschlechtsstereotypen
Die Autoren berichten, dass das Geschlecht des Teilnehmenden sowie dessen Geschlechtsstereotype die Wahrscheinlichkeit beeinflussten, einen weiblichen Wissenschaftler zu kreieren. Teilnehmende, die stärker mit traditionellen Geschlechterrollen assoziiert waren, wählten seltener weibliche Avatare.
Einfluss von Rassen‑ und Ethnizitätsstereotypen
Weiterhin stellte sich heraus, dass die ethnische Zugehörigkeit der Teilnehmenden sowie deren rassial‑ethnische Stereotype und farblosen rassistischen Einstellungen die Entscheidung für einen schwarzen oder lateinamerikanischen Wissenschaftler‑Avatar prägten. Insbesondere Teilnehmende mit höheren Werten in farblosen rassistischen Einstellungen neigten dazu, weniger diverse Avatare zu erstellen.
Implikationen und mögliche Interventionen
Die Ergebnisse unterstreichen den Bedarf nach stärker diversifizierten STEM‑Umgebungen und gezielten Bildungsinterventionen, die stereotype Vorstellungen von Wissenschaftlern adressieren. Die Autoren schlagen vor, die digitale Avatare‑Aufgabe in Lehrplänen zu integrieren, um frühzeitig stereotype Denkmuster zu identifizieren und zu korrigieren.
Ausblick
Die Studie führt ein skalierbares, digitales Werkzeug ein, das sich leicht auf breitere Stichproben ausweiten lässt. Durch die einfache Verbreitung der App könnten zukünftige Forschungen systematisch die Entwicklung von Wissenschaftlerbildern über verschiedene demografische Gruppen hinweg verfolgen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access).
