Sonstige: Digitale Risiken für nicht‑binäre Menschen in Ägypten steigen
In Ägypten werden Menschen, die nicht dem binären Geschlecht entsprechen, im Internet sowohl unterstützt als auch gefährdet, weil staatliche Gesetze und gesellschaftliche Vorurteile digitale Überwachung und Hasskampagnen begünstigen. Die Gefahr ergibt sich aus einer Kombination von strafrechtlichen Bestimmungen, staatlicher Überwachung und organisierten Anti‑Queer‑Kampagnen.
Rechtlicher Rahmen
Das ägyptische Strafrecht kriminalisiert gleichgeschlechtliche Handlungen über das Gesetz zur Bekämpfung der Prostitution (Nr. 10 1961) und über das Gesetz gegen Cyberkriminalität, das 2019 per Dekret den Wirtschaftskammern zugeordnet wurde. Diese Rechtsgrundlagen ermöglichen die Verfolgung von Personen, die online über queere Themen diskutieren.
Digitale Bedrohungen und Hasskampagnen
Seit 2022 verbreitet die anti‑Queer‑Kampagne „Fetrah“ über soziale Netzwerke Hassbotschaften, die die Existenz von nur zwei Geschlechtern propagieren und Homosexualität als krankhaft darstellen. Die Kampagne nutzt religiöse Rhetorik, um Diskriminierung zu rechtfertigen, und trägt zur Stigmatisierung queerer Personen bei.
Erfahrungsbericht eines Betroffenen
Ein 33‑jähriger nicht‑binärer Ägypter, der unter dem Namen Jan bekannt ist, berichtet, dass er nach wiederholten Täuschungsversuchen und Online‑Belästigungen seine früheren Konten löschte und ein neues Profil anlegte, um seine Identität zu schützen. Jan gibt an, dass er aus Angst vor staatlicher Verfolgung und Angriffen aus der eigenen Community kaum noch Kontakte pflegt.
Ratschläge zur digitalen Sicherheit
Ein Aktivist, der unter dem Kürzel M.A. arbeitet, empfiehlt, persönliche Daten nicht zu teilen, Fotos mit Standortangaben zu vermeiden, verschlüsselte Messenger wie Signal zu nutzen, die Zwei‑Faktor‑Authentifizierung zu aktivieren und Passwörter regelmäßig zu ändern. Bei Verdacht auf Hacking‑Versuche soll professionelle Hilfe von Sicherheitsorganisationen in Anspruch genommen werden.
Reaktionen von Aktivisten
Aktivisten betonen, dass die queere Community in Ägypten nicht isoliert von der Gesellschaft sei und fordern ein stärkeres Bewusstsein für digitale Risiken. Sie fordern zudem eine Kultur der Verantwortung, die Gewalt und Belästigung innerhalb der Community entgegenwirkt.
Ausblick
Die digitale Situation für nicht‑binäre Menschen in Ägypten bleibt prekär, da staatliche Überwachung, gesellschaftliche Stigmatisierung und organisierte Hasskampagnen das sichere Nutzen des Internets erschweren. Beobachtungen von internationalen Menschenrechtsorganisationen betonen die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen und Aufklärung.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Creative Commons BY. Offene journalistische Inhalte.
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