In einer retrospektiven Kohortenstudie wurden 804 kritisch kranke Erwachsene, die zwischen Januar 2019 und Juni 2025 in einer universitären Intensivstation behandelt wurden, auf das Auftreten segmentaler und subsegmentaler Lungenembolie (PE) untersucht. Von insgesamt 896 durchgeführten CT‑Pulmonalangiographien (CTPA) zeigten 164 Untersuchungen (18,3 %) eine Lungenembolie, wobei 104 Patienten (12,9 %) ausschließlich distale PE (61 segmental, 43 subsegmental) aufwiesen.
Studiendesign und Patientenpopulation
Die Untersuchung ist eine ein‑Zentrum‑Retrospektive, die alle CTPA‑Ergebnisse von Intensivpatienten erfasste, die im genannten Zeitraum eine Bildgebung erhalten hatten. Eingeschlossen wurden nur erwachsene Patienten (≥ 18 Jahre) mit radiologisch bestätigter segmentaler oder subsegmentaler PE.
Häufigkeit von distaler Lungenembolie
Distale PE wurden in 115 der 896 CTPA (12,8 %) identifiziert, was einer Prävalenz von 12,9 % unter den untersuchten Intensivpatienten entspricht. Diese Befunde zeigen, dass distale Embolien in der Intensivmedizin häufiger vorkommen als bislang angenommen.
Antikoagulationspraxis
Von den Patienten mit distaler PE erhielten 96 % eine Antikoagulation, und 86 % dieser Patienten wurden mit therapeutischen Dosierungen behandelt. Keine spezifische Intervention wurde im Studienprotokoll vorgegeben.
Ergebnisse: Blutungen, Rezidive und Mortalität
Innerhalb von 90 Tagen nach Diagnose traten bei 15 % der Patienten Blutungen auf, davon waren 12 % als schwere Blutungen klassifiziert. Die Rate von venösen Thromboembolien (VTE)‑Rezidiven betrug 7,8 %, während die 90‑Tage‑Mortalität 24 % ausmachte.
Statistische Analyse der Therapieeffekte
Die multivariable Analyse ergab keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen therapeutischer Antikoagulation und 90‑Tage‑Mortalität (adjustierter OR 0,70; 95 %‑KI 0,21–2,45), Blutungen (adjustierter OR 2,34; 95 %‑KI 0,47–19,2) oder VTE‑Rezidiven (adjustierter OR 0,69; 95 %‑KI 0,11–6,22).
Schlussfolgerungen und Ausblick
Die Studie bestätigt, dass segmentale und subsegmentale PE bei intensivpflichtigen Erwachsenen häufig diagnostiziert werden und meist mit therapeutischer Antikoagulation behandelt werden. Trotz höherer Blutungsrate zeigte die Analyse keinen signifikanten Nutzen der therapeutischen Dosierung hinsichtlich Mortalität oder Rezidiv. Weitere prospektive, multizentrische Studien sind erforderlich, um optimale Antikoagulationsstrategien für diese Patientengruppe zu bestimmen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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