Der Exekutivrat der Europäischen Zentralbank hat am 19. Juni 2026 an der Sapienza-Universität in Rom die strategische Relevanz der monetären Souveränität für den Euroraum hervorgehoben und betont, dass die Bewahrung des Euro angesichts neuer technologischer und geopolitischer Risiken höchste Priorität habe.
Monetäre Souveränität und Euro
Der Euro, als zweitwichtigste Währung im internationalen Währungssystem, halte laut Angaben der EZB einen Anteil von fast 20 % an der globalen Währungsnutzung, was die Bedeutung für die weltweite Finanzstabilität unterstreiche. Gleichzeitig zeige eine Umfrage, dass 82 % der Einwohner des Euroraums Vertrauen in die Währung haben, was das Fundament für die wirtschaftliche Unabhängigkeit stärke.
Abhängigkeiten im Zahlungsverkehr
Im Bereich der digitalen Einzelhandelszahlungen bestehe eine erhebliche Abhängigkeit von außereuropäischen Kartensystemen, die etwa zwei‑Drittel aller Kartentransaktionen im Euroraum ausmache. In 13 von 21 Mitgliedsländern existiere zudem kein einheimisches Kartensystem, wodurch die Resilienz des Zahlungsverkehrs gefährdet sei.
Digitaler Euro und regulatorische Schritte
Die EZB arbeite an einem digitalen Euro, der als öffentliches Zahlungsmittel auf europäischer Technologie basiere. Nach einer politischen Einigung im Europäischen Parlament sei die Verabschiedung der Digital‑Euro‑Verordnung in den kommenden Wochen zu erwarten; ein Pilotprojekt sei für 2027 geplant und die erste Ausgabe des digitalen Euro für das Jahr 2029 vorgesehen.
Technologische Innovationen im Finanzsektor
Neue Technologien wie Tokenisierung und Distributed‑Ledger‑Technology (DLT) ermögliche die Entwicklung eines digitalen Finanzökosystems, das rund um die Uhr operiere. Ohne ein tokenisiertes Zentralbankgeld‑Settlement‑Instrument bestünde jedoch das Risiko, dass dieses Ökosystem außerhalb des Euroraums entstehe und damit die monetäre Souveränität untergrabe.
Ausblick und Schlussfolgerungen
Die EZB werde neben der Vorbereitung der dritten Euro‑Banknotenserie weiterhin auf die Verfügbarkeit von Bargeld setzen, gleichzeitig jedoch die digitale Infrastruktur ausbauen, um sowohl physische als auch digitale Zahlungsbedürfnisse zu decken und die Unabhängigkeit des Euroraums zu sichern.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Europäische Zentralbank, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Europäische Union). Enthält Informationen von Organen der Europäischen Union.
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