Isabel Schnabel, Vorstandsmitglied der Europäischen Zentralbank, erklärte nach dem jüngsten Waffenstillstand im Nahen Osten, dass die fallenden Ölpreise zwar kurzfristig die Konjunktur entlasten, die Inflation jedoch weiterhin im Fokus der Geldpolitik stehe und weitere Zinserhöhungen wahrscheinlich seien.
Inflationsentwicklung nach dem Waffenstillstand
Der Rückgang der Energiepreise habe die Preissteigerungen zwar gemildert, sie blieben jedoch deutlich über dem Vor‑Krieg‑Niveau. Schnabel wies darauf hin, dass die jüngsten Daten für Mai bereits zeigten, dass nicht‑Energie‑Preise ebenfalls anziehen, was auf sekundäre Effekte des Konflikts hindeute.
Mittelfristige Energiepreiserwartungen
Nach Angaben der EZB seien die mittelfristigen Energiepreise weiterhin erhöht, weil die Dauer des Friedensabkommens ungewiss sei, Lieferketten über die Straße von Hormus noch nicht vollständig normalisiere und Versicherungsprämien für den Golfbereich höher blieben. Zudem müsse Europa strategische Ölreserven wieder auffüllen und die Gasspeicher vor dem Winter aufstocken.
Zinsentscheidungen und zukĂĽnftige Schritte
Die zuletzt um 0,25 Prozentpunkte angehobenen Leitzinsen wurden von Schnabel als angemessen bewertet, da sie in allen durchdachten Szenarien, auch bei einer raschen Normalisierung der Ölpreise, nötig seien, um die mittelfristige Inflation auf das Ziel von zwei Prozent zurückzuführen. Weitere Erhöhungen seien aus heutiger Sicht vorgesehen, wobei das Ausmaß von der weiteren Entwicklung von Konflikt, Wirtschaft und Preisentwicklung abhänge.
Fiskalpolitische MaĂźnahmen und deren Einfluss
Die EZB beobachte, dass Regierungen, insbesondere in Deutschland, umfangreiche Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung tätigen. Solche fiskalischen Impulse seien potenziell inflationsfördernd, weshalb die Geldpolitik darauf abziele, die Nachfrage zu dämpfen, um Preisstabilität zu sichern.
Strukturelle Herausforderungen fĂĽr Deutschland
Schnabel nannte demografischen Wandel, Fachkräftemangel und nachlassende Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China als zentrale Faktoren, die das langfristige Wachstum Deutschlands bremsen. Sie betonte, dass neben fiskalischen Stimuli auch tiefgreifende Strukturreformen erforderlich seien.
Strategische Prioritäten für Europa
Für die Zukunft sehe die EZB drei Handlungsfelder: Innovation, Integration und Souveränität. Dazu gehöre die Verbesserung von Forschungsbedingungen, die Vereinheitlichung von Unternehmensrecht und die Stärkung europäischer Risikokapitalmärkte, um die digitale und technologische Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Europäische Zentralbank, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (EU). Enthält Informationen von Organen der Europäischen Union.
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