Die Europäische Zentralbank hat am 3. Juni 2026 ein Interview mit Frank Elderson, Vorstandsmitglied und stellvertretendem Aufsichtsratsvorsitzenden, veröffentlicht. In dem Gespräch, das am 19. Mai 2026 geführt wurde, erläuterte Elderson, warum eine Deregulierung trotz des Rufs nach Modernisierung nicht im Interesse der Finanzstabilität sei und welche konkreten Schritte die EZB zur gezielten Entlastung von Banken unternimmt.
Keine Deregulierung trotz Modernisierungsdruck
Elderson betonte, dass die Erfahrung aus der Finanzkrise zeige, dass nicht‑finanzielle Risiken oft lange unsichtbar bleiben und dann plötzlich zu ernsthaften Problemen führen. Eine Lockerung der Aufsicht, die als Deregulierung missverstanden werden könnte, würde diese Gefahr erhöhen. Deshalb sei eine Reduzierung der Kapitalanforderungen nicht vorgesehen.
Kapitalanforderungen und Kreditvergabe
Laut eigener Forschung wirke das aktuelle Niveau der Kapitalanforderungen nicht hemmend auf die Kreditvergabe. Die europäischen Institute seien gut kapitalisiert, und seit der Krise von 2008 seien die Vorgaben weitgehend stabil geblieben, abgesehen von einer vorübergehenden Entspannung während der Pandemie.
Integration des europäischen Binnenmarkts
Elderson kritisierte die fragmentierte Struktur des Binnenmarkts, weil Kapital und Liquidität weiterhin an nationale Grenzen gebunden seien. Er forderte die Schaffung einer echten europäischen Einlagensicherung und eines Kapitalmarktverbunds, um grenzüberschreitende Fusionen zu erleichtern und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Praktische Schritte zur Vereinfachung
Die EZB prĂĽfe rund hundert Publikationen zu AufsichtsÂerwartungen und strebe an, diese zu straffen, zu konsolidieren und teilweise einzustellen. Zudem sei die Bearbeitungszeit fĂĽr die Genehmigung von Verbriefungen von drei Monaten auf sieben Tage gesenkt worden, sofern klare Kriterien erfĂĽllt wĂĽrden.
Kultureller Wandel bei Aufsichtsbehörden
Ein Wandel der Aufsichtskultur sei im Gange: Statt jedes Risiko jährlich bei jeder Bank zu prĂĽfen, werde die PrĂĽfÂfrequenz angepasst, wenn in einem Bereich keine signifikanten Befunde vorliegen. Der Dialog mit nationalen Aufsehern, etwa der niederländischen Zentralbank, solle jährlich Prioritäten festlegen, wobei einzelne Aufseher sich anpassen mĂĽssten.
Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsberichterstattung
Bezüglich geplanter Änderungen der EU‑Kommission, die die Berichtspflicht für Unternehmen von 250 auf 1 000 Beschäftigte anheben wolle, warnte Elderson, dass ein zu starkes Vereinfachen zu zusätzlicher Bürokratie für Banken führen könne, weil diese dann selbst Daten von Kunden einholen müssten.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Europäische Zentralbank, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Europäische Union). Enthält Informationen von Organen der Europäischen Union.
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