Kernthemen der Diskussion
Frank Elderson, Mitglied des Vorstands der Europäischen Zentralbank, und Alejandra Kindelán, Vorsitzender des Spanischen Bankenverbands, haben am 19. Juni 2026 in Madrid die Notwendigkeit betont, den aufsichtsrechtlichen und berichtspflichtigen Rahmen zu vereinfachen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Banken zu erhöhen. Der High‑Level‑Task‑Force‑Bericht von Ende 2025 lieferte konkrete Empfehlungen, woraufhin die Europäische Kommission eine gezielte Konsultation zum Thema gestartet hat.
Unterscheidung zwischen Vereinfachung und Deregulierung
Das Single‑Supervisory‑Mechanism (SSM) unterscheidet klar zwischen einer Vereinfachung, die die Widerstandsfähigkeit erhalten soll, und einer Deregulierung, die diese schwächen könnte. Ziel ist ein transparenter, kohärenter Rahmen, der für Aufseher und Institute leichter zu handhaben ist, ohne die Kapitalpuffer zu verändern.
Beschleunigte Entscheidungsprozesse
Im ersten Quartal 2026 wurden 80 % der einfachen kapitalbezogenen Entscheidungen durchschnittlich innerhalb einer Woche genehmigt – ein erheblicher Rückgang gegenüber den früheren mehrmonatigen Verfahren. Der neue Fast‑Track‑Prozess für einfache Verbriefungen verkürzte die Genehmigungsdauer von drei Monaten auf weniger als zehn Arbeitstage.
Überarbeitung von Aufsichtsleitfäden
Das SSM prüft derzeit fast einhundert veröffentlichte Leitfäden, um sie zu straffen, zusammenzuführen oder ganz einzustellen. Dieser Schritt soll die Informationsflut reduzieren und die Praxis für Aufseher und Institute vereinfachen.
Effizientere Stresstests
Gemeinsam mit der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) wurden neue Vorlagen für EU‑weite Stresstests eingeführt, die die erforderlichen Datenpunkte um 55 % reduzieren und damit die Kosten für Institute senken. Gleichzeitig wird die Qualitätssicherung risikobasiert und aggregiert, um den Aufwand zu verringern, ohne die Fokus auf wesentliche Risiken zu verlieren.
Investitionsbedarf und Kapitalanforderungen
Eine Analyse der EZB zeigt, dass für die Erreichung der grünen, digitalen und verteidigungspolitischen Ziele im Zeitraum 2025‑2031 jährlich rund 1,2 Billionen Euro investiert werden müssen. Einige Akteure befürchten, dass höhere Kapitalanforderungen die Finanzierungsfähigkeit der Banken einschränken könnten, doch die EZB sieht derzeit keine evidenzbasierte Belastung im Vergleich zu Nicht‑EU‑Konkurrenten.
Fragmentierung des europäischen Bankensektors
Rund 80 % der Kredite werden im Heimatland der Bank vergeben, weniger als 2 % der Einlagen fließen grenzüberschreitend, und die Fusionstätigkeit ist im Vergleich zu den Vor‑Krisenjahren stark zurückgegangen. Diese Fragmentierung wird als zentrales Hindernis für Skaleneffekte und effiziente Kapitalallokation identifiziert.
Wege zu mehr Integration
Die EZB fordert einen zeitlich festgelegten Fahrplan zur Vollendung des einheitlichen Binnenmarkts, einschließlich eines europäischen Einlagensicherungssystems und einer vertieften Kapitalmarktunion. Durch die Freizügigkeit von Kapital und Liquidität innerhalb grenzüberschreitender Bankengruppen soll die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig gestärkt werden.
Ausblick auf weitere Vereinfachungen
Langfristig soll das regulatorische Umfeld durch die Zusammenlegung der fünf makroprudenziellen Puffer zu zwei und durch klarere Leitlinien, etwa im ECB‑Leitfaden zum internen Kapitaladäquanzbewertungsprozess, weiter vereinfacht werden. Proportionalität bleibt ein Leitprinzip, wobei kleine und nicht‑komplexe Institute bereits nur bis zu 30 % der Daten melden müssen, die für große Institute erforderlich sind.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von European Central Bank, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Europäische Union). Enthält Informationen von Organen der Europäischen Union.
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