Die Europäische Zentralbank hat in ihrem Sitzungsbericht vom 10. und 11. Juni 2026 dargelegt, dass die Finanzmärkte nunmehr mit einer ersten Erhöhung des Leitzinses um 25 Basispunkte im Juni und einer zweiten im September rechnen. Laut Marktpreisen liegt die Wahrscheinlichkeit für einen dritten Schritt bis zum Jahresende bei 84 %.
Entwicklung der Rohstoffpreise
Seit dem April‑Treffen ist der Brent‑Preis von etwa 118 USD auf rund 94 USD pro Barrel gefallen und hat sich seit Ende Mai auf diesem Niveau stabilisiert. Langfristige Futures‑Kurven zeigen jedoch kaum Rückgänge, während die Preise für Gas rund 50 % über dem Vorkriegsniveau liegen. Die Preise für raffinierte Produkte wie Benzin, Diesel und Jet‑Fuel sind um 40‑45 % gestiegen, was auf eine Weitergabe höherer Energiekosten an Verbraucher hindeutet.
Inflationserwartungen
Die inflationsbezogenen Swaps für 2026 und Anfang 2027 haben seit dem April‑Treffen leicht nachgelassen, liegen jedoch weiterhin über dem 2‑Prozent‑Ziel. Für das mittelfristige Jahr wurden die Markterwartungen für eine Inflation über 2,5 % auf 45 % geschätzt, während die Wahrscheinlichkeit für Werte unter 1,5 % bei weniger als 15 % liegt.
Markterwartungen zu Zinsentscheidungen
Die Mehrheit der Marktteilnehmer preist nun einen ersten Leitzinsschritt im Juni und einen zweiten im September ein. Das ECB‑Survey of Monetary Analysts erwartet im Durchschnitt zwei Anhebungen im Jahr 2026, während Bloomberg‑ und Reuters‑Umfragen ähnliche Zahlen liefern. Im Vergleich dazu haben die US‑Märkte kürzlich von zwei erwarteten Zinssenkungen auf eine erwartete Erhöhung im selben Zeitraum umgestellt.
Aktien‑ und Anleihenmarkt
Die optimistische Einschätzung künstlicher Intelligenz (KI) hat die Risikobereitschaft gestärkt. Die europäischen Aktienindizes liegen wieder nahe dem Vor‑Kriegsniveau, und die Spreads von Unternehmens‑ sowie Staatsanleihen sind seit dem April‑Treffen weiter gesunken. Das erhöhte Risiko‑free‑Rate‑Umfeld wurde durch die positive KI‑Stimmung teilweise kompensiert.
Risiko‑ und Wachstumsaussichten
Obwohl die Unsicherheit durch den Konflikt im Nahen Osten hoch bleibt, gehen Analysten von einem moderaten Wachstum aus und sehen die Wahrscheinlichkeit einer Rezession als gering an. Die Risikostimmung hat sich von einem deutlichen Rückgang nach dem Konfliktbeginn erholt und nähert sich wieder dem Niveau vor dem Ausbruch.
Wechselkursentwicklung
Der Euro hat seit Beginn des Konflikts gegenüber dem US‑Dollar leicht an Wert verloren, bleibt jedoch im engen Handelsband um 1,16 USD, das im vergangenen Jahr beobachtet wurde. Der nominale effektive Wechselkurs liegt nahe dem Vor‑Kriegsniveau.
Finanzbedingungen insgesamt
Der von der EZB veröffentlichte Macro‑Finance Financial Conditions Index zeigt, dass die Finanzbedingungen seit dem letzten Treffen im April weitgehend unverändert, jedoch im Vergleich zur Zeit vor dem Konflikt etwas straffer sind. Diese Entwicklung spiegelt die anhaltende Unsicherheit und die höheren Risiko‑Premien wider.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Europäische Zentralbank, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Europäische Union). Enthält Informationen von Organen der Europäischen Union.
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