Hintergrund
Am 26. August 2026 hielt Piero Cipollone, Vorstandsmitglied der Europäischen Zentralbank, in Frankfurt am Main beim Symposium der Deutschen Bundesbank zum Thema „Future of payments“ eine Rede. Er erläuterte, welche Schritte seit dem gleichnamigen Symposium im Jahr 2024 unternommen wurden, um ein integriertes europäisches Ökosystem für tokenisierte Finanzanlagen zu schaffen und dabei Zentralbankgeld als Kernbestandteil zu nutzen.
Chancen und Risiken
Tokenisierung ermögliche, Vermögenswerte als programmierbare Datendateien – Tokens – zu übertragen, wodurch Prozesse rund um die Uhr automatisiert und Intermediärstrukturen reduziert würden. Gleichzeitig warne Cipollone vor einer möglichen Fragmentierung, wenn inkompatible Plattformen entstehen. Weitere Risiken seien der Verlust der monetären Ankerfunktion ohne Zentralbankgeld sowie eine externe Abhängigkeit von Technologien außerhalb Europas.
Regulatorischer Rahmen
Der Gesetzgeber der EU prüfe derzeit einen Gesetzentwurf zur Erweiterung des DLT‑Pilot‑Regimes, während die Europäische Kommission eine Konsultation zur Feinabstimmung der Markets‑in‑Crypto‑Assets‑Verordnung durchführe. Diese regulatorischen Initiativen sollen den rechtlichen Rahmen für tokenisierte Finanzprodukte schaffen und gleichzeitig die Sicherheit des Marktes gewährleisten.
Projekt Pontes
Im Rahmen des Projekts Pontes entwickle die EZB einen Service, der DLT‑Plattformen mit den TARGET‑Services der Zentralbank verbindet. Durch die endgültige Abwicklung des Geldanteils in Zentralbankgeld ermögliche Pontes eine 24/7‑Abwicklung, sofortige Endgültigkeit und künftig erweiterte Programmierbarkeit. Der Start sei für 2024 geplant, mit schrittweiser Erweiterung bis Mitte 2028, wobei zunächst nur einmalige Onboarding‑Gebühren anfallen.
Projekt Appia
Appia konzentriere sich auf die übergeordnete Architektur, Standards und Interoperabilität des europäischen Token‑Ökosystems. Ziel sei es, einheitliche technische Vorgaben zu etablieren, die den Austausch zwischen verschiedenen Plattformen ermöglichen und so die Gefahr einer Zersplitterung des Marktes verringern.
Ausblick
Die EZB betonte, dass die Kombination aus regulatorischen Maßnahmen, der Bereitstellung von Zentralbankgeld über Pontes und der Standardisierung durch Appia die Grundlage für ein wettbewerbsfähiges, integriertes digitales Finanzsystem in Europa bilde. Bis 2028 solle ein durchgängiger 24‑Stunden‑Service verfügbar sein, der die Attraktivität des Euro auf globaler Ebene stärken und die strategische Autonomie Europas im Finanzsektor sichern.Dieser Bericht basiert auf Informationen von Europäische Zentralbank, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Europäische Union). Enthält Informationen von Organen der Europäischen Union.
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