EU: ECB-Präsident warnt vor anhaltender Energiekrise und betont vorsichtige Geldpolitik
Am 20. April 2026 hielt der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Christine Lagarde eine Grundsatzrede beim 75‑jährigen Jubiläum des Bundesverbands deutscher Banken in Berlin. In ihrer Rede schilderte sie die aktuelle Lage Europas, die von einer Reihe tiefgreifender Schocks – Pandemie, Krieg, Energiekrise und einer militärischen Blockade der Straße von Hormus – geprägt ist, und erläuterte die Implikationen für Geld‑ und Fiskalpolitik.
Hintergrund der Energiekrise
Die Blockade der Straße von Hormus habe zu einem Nettoverlust von etwa 13 Millionen Barrel Öl pro Tag geführt, was rund 13 % des weltweiten Verbrauchs entspricht. Trotz dieser enormen Störung seien die Öl‑Spot‑ und Futures‑Preise bislang noch nicht so stark gestiegen, dass das Szenario einer schweren wirtschaftlichen Abschwächung eingetreten sei.
Auswirkungen auf Inflation und Wachstum
Die EZB‑Projektionen zeigen, dass sowohl das Basisszenario als auch die ungünstigeren Szenarien höhere Inflationsraten und niedrigere Wachstumsraten vorsehen als im Dezember‑Forecast. Während steigende Energiepreise die Inflation antreiben, könnten anhaltende Engpässe bei kritischen Vorleistungen – etwa Helium, Düngemittel und Methanol – die Produktion in Schlüsselindustrien zusätzlich belasten.
Erwartete Dauer der Störung
Die Dauer der Blockade sei ein entscheidender Unsicherheitsfaktor. Laut Präsidentin Lagarde verschärfe sich die wirtschaftliche Lage nicht linear mit zunehmender Konfliktdauer; ein längerer Konflikt könnte die Lücke zwischen Energieangebot und -nachfrage weiter vergrößern und damit die Inflationsentwicklung verstärken.
Pass‑Through von Energiepreisen
Der Durchgriff von Energiepreisen auf die Gesamtinflation hängt von der jeweiligen Wirtschaftslage ab. Nach der Pandemie seien Haushalte und Unternehmen sensibler für Preissteigerungen, während gleichzeitig schwächere Nachfrage die Preisweitergabe dämpfen könnte. Historische Vergleiche mit dem Golfkrieg 1990‑91 und der Invasion der Ukraine zeigen, dass Öl‑Schocks das BIP der Eurozone im ersten Jahr um etwa 0,4 % reduzieren.
Fiskalpolitische Ăśberlegungen
Lagarde betonte, dass fiskalische Maßnahmen – preisbasierte Instrumente wie Preisdeckel und steuerliche Erleichterungen sowie einkommensorientierte Transfers – sorgfältig abgewogen werden müssen. Preisbasierte Hilfen können die Inflation kurzfristig senken, schwächen jedoch das Signal für Energieeinsparungen; einkommensorientierte Transfers schützen vulnerable Haushalte, können jedoch die Gesamtnachfrage ankurbeln und damit den Preisdruck erhöhen.
Ausblick der Geldpolitik
Angesichts der doppelten Unsicherheit bezüglich der Konfliktdauer und des Preis‑Durchgriffs empfiehlt die EZB, zunächst weitere Daten zu sammeln, bevor definitive geldpolitische Entscheidungen getroffen werden. Der Präsident schloss mit dem Hinweis, dass gezielte, temporäre fiskalische Unterstützung notwendig sei, um die Inflation zu begrenzen, ohne die fiskalische Nachhaltigkeit zu gefährden.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Europäische Zentralbank, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Europäische Union). Enthält Informationen von Organen der Europäischen Union.
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