Piero Cipollone, Vorstandsmitglied der Europäischen Zentralbank, erläuterte am 28. Mai 2026 in Frankfurt die geplanten Maßnahmen zur Modernisierung des Zentralbankgeldes im Kontext fortschreitender Digitalisierung. Er betonte, dass die Kernaufgabe der Geldpolitik unverändert bleibt, jedoch die technologische Umgebung neue Anforderungen an Stabilität und Nutzbarkeit stellt.
Herausforderungen im Zahlungsverkehr
Der Redner wies darauf hin, dass im Euroraum bislang kein einheitliches digitales Zahlungsmittel existiere, das flächendeckend online genutzt werden könne. Derzeitige private Anbieter seien größtenteils national begrenzt, während Zentralbankgeld nur in Form von Banknoten und Münzen vorliege, die für digitale Transaktionen ungeeignet seien. Diese Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern stelle ein Risiko für die Finanzstabilität dar.
Strategie der Europäischen Zentralbank
Die ECB verfolge drei zentrale Pfeiler: die Einführung eines digitalen Euro für den Einzelhandel, die Ermöglichung von DLT‑basierten Transaktionen in Zentralbankgeld ab September dieses Jahres und die Vernetzung schneller Zahlungssysteme zur Verbesserung grenzüberschreitender Transfers. Ziel sei es, das öffentliche Geld als risikofreies Abwicklungsinstrument zu erhalten und gleichzeitig Innovationen im privaten Sektor zu unterstützen.
Digitaler Euro für den Einzelhandel
Der digitale Euro solle als digitale Entsprechung von Bargeld für den täglichen Zahlungsverkehr dienen, ohne physisches Geld zu ersetzen. Er werde nicht verzinst, sei rechtlich verbindlich und habe ein Höchstbestandslimit, um die Finanzstabilität zu wahren. Durch offene Standards, die mit europäischen Standard‑Settern wie der European Card Payment Cooperation abgestimmt seien, soll die Akzeptanz an Verkaufsstellen erleichtert werden.
Tokenisierte Zentralbankwährung im Großhandelsmarkt
Im Großhandelssegment könne die Tokenisierung von Vermögenswerten die Effizienz von Transaktionen erhöhen. Ohne tokenisiertes Zentralbankgeld würde das System jedoch auf fragmentierte private Lösungen angewiesen bleiben. Die ECB betonte, dass tokenisierte Zentralbankgelder ein risikofreies Settlement‑Asset bereitstellen und damit das Vertrauen in die Marktinfrastruktur stärken würden.
Ausblick und Zeitplan
Laut Cipollone könne ein Pilotprojekt für den digitalen Euro bereits Mitte 2027 starten, sofern der europäische Gesetzgeber die entsprechende Verordnung verabschiede. Die erste Ausgabe des digitalen Euro sei für 2029 geplant. Parallel dazu werde die Integration von DLT‑basierten Zahlungen schrittweise umgesetzt, um die Marktteilnehmer frühzeitig einzubinden.
Reaktionen und nächste Schritte
Der Redner verwies darauf, dass die geplanten Maßnahmen darauf abziele, die Abhängigkeit von wenigen großen Anbietern zu reduzieren, Kosten für Händler zu senken und die Preisgestaltung für Verbraucher zu verbessern. Die ECB werde die Entwicklungen weiter beobachten und bei Bedarf regulatorische Anpassungen vornehmen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Europäische Zentralbank, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Europäische Union). Enthält Informationen von Organen der Europäischen Union.
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