EU: ECB stellt umfassende Strategie fĂĽr digitale Zahlungen und Tokenisierung vor
Eröffnung und Kernaussagen
Am 15. Juni 2026 hielt Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, die Eröffnungsrede auf der Konferenz „Money in transition: digitalisation and innovation in payments“ in Frankfurt. Sie betonte, dass technologische und geopolitische Entwicklungen neue Herausforderungen, aber auch Chancen für das europäische Zahlungssystem schaffen. Lagarde stellte die wichtigsten Vorhaben des Eurosystems vor, die darauf abzielen, Fragmentierung zu reduzieren und die Rolle des Euro zu stärken.
Technologische und geopolitische Rahmenbedingungen
Die Rede hob hervor, dass die Digitalisierung des Geldes durch Tokenisierung und die zunehmende Nutzung von Distributed‑Ledger‑Technologien das traditionelle Zahlungswesen transformiere. Gleichzeitig habe die geopolitische Nutzung finanzieller Infrastruktur als Machtinstrument zugenommen, wodurch die Souveränität von Zahlungsnetzen an Bedeutung gewinne. Diese beiden Faktoren seien der Anstoß für die geplanten Reformen.
Tokenisierung im GroĂźhandelsmarkt
Lagarde erläuterte, dass derzeit 32 zentrale Wertpapierverwahrer in der Union unterschiedliche Ledger führen, was hohe Transaktionskosten verursache. Die geplanten Projekte Pontes und Appia sollen Token‑Transaktionen auf Zentralbankgeld abwickeln und damit eine einheitliche, risikofreie Abwicklungsinfrastruktur schaffen. Der Markt habe signalisiert, erst bei einer solchen Basis in großem Umfang digitale Assets auszugeben.
Digitaler Euro fĂĽr den Einzelzahlungsmarkt
Im Einzelzahlungsbereich sei Bargeld das einzige öffentliche Geld, das derzeit von den BĂĽrgern gehalten werde. Der digitale Euro, ein von der EZB ausgegebenes Zentralbankgeld, solle diese LĂĽcke schlieĂźen. Durch seine gesetzliche ZahlungsmittelÂfunktion und offene technische Standards könne er die Abhängigkeit von fremden Kartensystemen reduzieren und einen einheitlichen Zahlungsmechanismus fĂĽr die gesamte Union bereitstellen.
GrenzĂĽberschreitende Zahlungsinfrastruktur
Lagarde verwies auf die langsamen und kostenintensiven grenzüberschreitenden Zahlungen über Korrespondenzbanken. Durch die Anbindung des Instant‑Payment‑Systems TIPS an internationale Netze wie Indiens UPI, das südostasiatische Nexus‑Netz und das Schweizer SIC‑IP‑System solle die EU ihre eigenen Zahlungsrails ausbauen, um Geld in Sekunden in zahlreiche Länder zu transferieren.
Ausblick und Aufruf an Markt und Politik
Abschließend betonte Lagarde, dass die Integration von Token‑Technologie und digitalem Euro nur gelingen könne, wenn Marktteilnehmer in die Infrastruktur investieren und Regierungen einheitliche Rechtsrahmen für digitale Assets schaffen. Nur so könne die EU ihre Marktfragmentierung überwinden und die internationale Rolle des Euro stärken.Dieser Bericht basiert auf Informationen von Europäische Zentralbank, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Europäische Union). Enthält Informationen von Organen der Europäischen Union.
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