Die US‑Organisation Electronic Frontier Foundation (EFF) hat im Rahmen einer FOIA‑Klage rund 1.000 Seiten an Dokumenten veröffentlicht, die interne Unterlagen des Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS) zum WISeR‑Modell enthalten. Das Modell, das seit Januar 2026 KI‑gestützte Vorabgenehmigungen für bestimmte medizinische Leistungen testet, steht laut den freigegebenen Unterlagen in der Kritik wegen weit verbreiteter Verzögerungen, Ablehnungen und technischer Fehlfunktionen, die Patienten schädigen können.
KI‑gestützte Vorabgenehmigung im Überblick
Im WISeR‑Programm müssen Leistungserbringer vor der Durchführung bestimmter Behandlungen eine Genehmigung von privaten Anbietern einholen, die die Anfragen mithilfe von KI bewerten. CMS verlangt, dass ein qualifizierter Arzt jede Ablehnung prüft, doch Studien zeigen, dass KI‑Empfehlungen menschliche Entscheidungen stark beeinflussen können. Ohne umfassende Sicherheitsmechanismen besteht das Risiko, dass notwendige Leistungen unberechtigt verzögert oder abgelehnt werden.
Verzögerungen bei Anfragen
Obwohl CMS offiziell eine Bearbeitungsfrist von 72 Stunden vorgibt, belegen interne Statusberichte, dass zahlreiche Anfragen deutlich länger unbeantwortet blieben. Ein exemplarischer Fall dokumentiert eine Wartezeit von 83 Tagen. Daten aus Januar 2026 zeigen, dass ein erheblicher Teil der Anfragen von zwei Anbietern die Frist überschritt, was zu verzögerten Behandlungen und Schmerzen bei Patienten führte.
Finanzielle Anreize zur Ablehnung
Die freigegebenen Unterlagen bestätigen, dass das Zahlungsmodell von WISeR Anbieter dafür entschädigt, wenn sie Anfragen ablehnen – jedoch nicht, wenn abgewiesene Anträge nach einer Berufung wieder genehmigt werden. Qualitätskennzahlen, die die Zahlung beeinflussen, reduzieren die Vergütung bei niedrigen Scores lediglich um 5‑10 %, was den Anreiz zur Ablehnung weiter verstärkt.
Hohe Ablehnungsraten der Anbieter
Aus den Dokumenten geht hervor, dass zwei Anbieter in den ersten drei Monaten über 20.000 Vorabgenehmigungen ablehnten. Der Anbieter Virtix musste zudem einen Korrekturplan vorlegen, weil er mehr Anfragen ablehnte als genehmigte.
Rückmeldungen von Leistungserbringern
Mehrere Ärzte berichten, dass die langen Antwortzeiten zu akuten Schmerzen und verzögerten Eingriffen führten. In einer Umfrage aus März 2026 äußerten sich Ärzte aus Ohio über fehlende Kommunikation und administrative Hürden, die zu erheblichen Beeinträchtigungen der Patientenversorgung führten.
Rasche Einführung trotz technischer Mängel
CMS startete das WISeR‑Programm nur sechs Monate nach seiner Ankündigung, obwohl Anbieter wie Innovaccer bereits vor dem Launch auf unvollständige Software und fehlende Tests hinwiesen. Trotz dieser Warnungen wurde der Start nicht verschoben, was zu anhaltenden technischen Problemen und weiteren Verzögerungen führte.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Electronic Frontier Foundation, lizenziert unter Creative Commons Attribution 4.0 (CC BY 4.0). Offene journalistische Inhalte.
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