USA: EFF und 18 zivilgesellschaftliche Organisationen fordern Veto gegen New York Stealth Crawler Prohibition Act
Brief an die Gouverneurin
Ein Schreiben von der Electronic Frontier Foundation gemeinsam mit 17 weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen richtet sich an die Gouverneurin von New York, Kathy Hochul, und fordert ein Veto gegen den Senate Bill 9934A, den sogenannten Stealth Crawler Prohibition Act. Das Schreiben wurde im August 2026 übermittelt und begründet die Opposition mit Bedenken hinsichtlich freier Meinungsäußerung und digitaler Privatsphäre.
Inhalt des Gesetzentwurfs
Der Gesetzentwurf verlangt, dass alle Web‑Crawler ihre Identität und den konkreten Zweck offenlegen. Ferner erhalten Medienunternehmen das Recht, ohne Nachweis von Fehlverhalten gerichtliche Vorladungen zu erwirken, um nicht identifizierten automatisierten Web‑Traffic zu entlarven. Ziel sei, angeblich den lokalen Journalismus zu schützen, indem unautorisierte Datenerhebung verhindert werde.
Kritik an den Auswirkungen
Die Unterzeichner argumentieren, dass die Maßnahme die freie Meinungsäußerung beeinträchtigt und einen gefährlichen Präzedenzfall schafft, indem sie anonyme Zugriffe kriminalisiert. Sie warnen, dass die Verpflichtung zur Offenlegung die digitale Privatsphäre untergräbt, die technische Architektur des Internets gefährdet und letztlich den unabhängigen Journalismus schwächt, den das Gesetz schützen will.
Bedeutung anonymer Crawler
Als „Stealth‑Crawler“ werden automatisierte Werkzeuge bezeichnet, die öffentliche Web‑Daten ohne Offenlegung der Nutzeridentität sammeln. Solche Werkzeuge unterstützen zahlreiche öffentliche Interessen, darunter investigative Berichterstattung, akademische Forschung, Cybersicherheit und Datenschutz‑Tools wie den Privacy Badger der Electronic Frontier Foundation.
Praxisbeispiele aus dem Journalismus
Der nicht‑profitorientierte Nachrichtendienst The Markup nutzte anonyme Crawler, um mögliche wettbewerbswidrige Praktiken von Technologiekonzernen zu untersuchen. Dabei simulierten die Crawler gewöhnliche Firefox‑Browser, um die Darstellung von Amazon‑Suchergebnissen aus Nutzersicht zu analysieren. Ähnlich setzte ProPublica ein automatisiertes Tool ein, das das Verhalten eines durchschnittlichen Amazon‑Kunden nachahmte, um preisliche Verzerrungen aufzudecken. Darüber hinaus verwenden Sicherheitsexperten automatisierte Scraper, um Bedrohungsinformationen zu sammeln, während Datenschutz‑Tools das Web anonym durchsuchen, um Tracker zu identifizieren, ohne die Privatsphäre von Nutzern zu gefährden.
Appell an den Veto
Die Unterzeichner betonen, dass das Gesetz über das eigentliche Problem von übermäßigem Crawling hinausgeht und stattdessen Anonymität angreift. Sie argumentieren, dass technische Lösungen zur Begrenzung von Serverbelastungen erforderlich seien, nicht ein rechtlicher Eingriff, der Verlage ein Vetorecht über das offene Web einräumt. Deshalb fordern sie die Gouverneurin Hochul auf, den Senate Bill 9934A zu blockieren.Dieser Bericht basiert auf Informationen von Electronic Frontier Foundation, lizenziert unter Creative Commons Attribution 4.0 (CC BY 4.0). Offene journalistische Inhalte.
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