Deutschland: Einkommensteuerreform 2027 – Kernelemente und Reaktionen
Am Donnerstag, den 8. Oktober 2026, wurden die Entwürfe der Bundesregierung für eine Reform der Einkommensteuer sowie für ein Jahressteuergesetz nach einstündiger Aussprache an die zuständigen Ausschüsse überwiesen. Federführend ist der Finanzausschuss; zusätzlich gelangte ein Gesetzentwurf der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zum Verfahren.
Regierung betont Gerechtigkeit
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) erklärte, die Reform setze „im Rahmen des Möglichen die richtigen Schwerpunkte“ und entlaste Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen. Laut Klingbeil führe die Maßnahme zehn Milliarden Euro Entlastung ein, was angesichts der aktuellen Lage „keine geringe Summe“ sei. Er verwies darauf, dass eine Familie mit zwei Kindern und zwei mittleren Einkommen durch die Reform jährlich 600 Euro mehr erhalten könne. Für die Finanzierung solle die Steuerlast bei sehr hohen Einkommen stärker steigen, einschließlich einer früheren Anwendung der Reichensteuer und einer zusätzlichen Superreichen‑Steuer, die er als „fair“ bezeichnete.
Kritik aus der Opposition
AfD-Politiker Kay Gottschalk bezeichnete das Vorhaben als „dreistesten, am besten getarnten Steuererhöhungsgesetz“ und kritisierte, dass die geplante Entlastung nicht ausreiche, um die kalte Progression auszugleichen. Er verwies darauf, dass die Anhebung des Grundfreibetrags um 18 Euro pro Monat lediglich zwei Milliarden Euro kosten würde und damit ein „Almosen“ sei.
Union fordert Leistungsgerechtigkeit
CDU/CSU-Abgeordneter Fritz Güntzler betonte, dass „Leistung in diesem Land sich wieder lohnen“ müsse. Er verwies auf die geplante Entlastung von 36 Millionen Steuerpflichtigen in Höhe von zehn Milliarden Euro und forderte zudem einen vollständigen Ausgleich der kalten Progression.
Grüne fordern Nachbesserung
Der Grünen-Abgeordnete Sascha Müller kritisierte die Reform als „Klein‑Klein“ und wies darauf hin, dass die Erhöhung von Kinderfreibeträgen und Kindergeld vor allem Eltern mit hohem Einkommen zugutekomme. Er forderte, dass die Koalition die vorgeschlagenen Maßnahmen zur Schließung von Gerechtigkeitslücken im Steuerrecht nachbessere.
Linke hält Entlastung für zu gering
Die Linke-Politikerin Doris Achelwilm argumentierte, dass die Reform nicht ausreichend umverteile und forderte, Einkommen bis zu 7 000 Euro pro Monat zu entlasten sowie die obersten fünf Prozent stärker zu belasten. Sie kritisierte, dass bereits Einkommen bis 250 000 Euro entlastet würden, bevor die Reichensteuer greife.
SPD betont Gegenfinanzierung
SPD-Abgeordneter Parsa Marvi verwies auf die höheren Grund‑ und Kinderfreibeträge sowie das erhöhte Kindergeld und betonte, dass die Gegenfinanzierung durch die Anhebung der Reichensteuer und die Reduzierung der Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen gesichert sei.
Details der Reform
Der Gesetzentwurf sieht vor, den Grundfreibetrag von 12 348 Euro auf 12 564 Euro zu erhöhen, mit einer weiteren Anhebung auf 12 900 Euro im Jahr 2028. Der Spitzen‑ und Reichensteuersatz soll ab einem zu versteuernden Einkommen von 250 000 Euro auf 45 % und ab 280 000 Euro auf 47 % steigen. Das Kindergeld soll von 259 Euro auf 267 Euro monatlich und später auf 272 Euro steigen; der Kinderfreibetrag erhöht sich von 6 828 Euro auf 7 128 Euro. Weitere Maßnahmen umfassen höhere Sonn‑ und Feiertagszuschläge, eine Anhebung des Arbeitnehmer‑Pauschbetrags auf 1 430 Euro und die Reduzierung der Handwerker‑Absetzbarkeit von 20 % auf 15 %.
Finanzielle Auswirkungen
Für das Jahr 2027 rechnet die Regierung mit Mindereinnahmen von 4,515 Milliarden Euro, wovon 1,91 Milliarden Euro dem Bund zufallen. Im Jahr 2028 werden Mindereinnahmen von 6,02 Milliarden Euro prognostiziert, davon 2,504 Milliarden Euro für den Bund. Zusätzlich entstehen durch die Anpassungen bei Sonn‑ und Feiertagszuschlägen Einnahmeausfälle von rund 300 Millionen Euro pro Jahr bei den Sozialversicherungen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Bundestag, lizenziert unter Amtliches Werk gem. § 5 UrhG (Deutschland).
Ende der Uebertragung