UN: Einschränkungen von Grundrechten in Afghanistan im Frühjahr 2026
Ein Bericht der UN-Mission in Afghanistan (UNAMA) dokumentiert zwischen April und Juni 2026 weitreichende Beschränkungen für Frauen, Minderheiten und kritische Stimmen. Der Bericht nennt zahlreiche Verhaftungen, Verbote und Gewalttaten, die das Alltagsleben der betroffenen Personen stark beeinträchtigen.
Einschränkungen für Frauen
Laut UNAMA wurden zwischen dem 6. und 8. Juni mindestens 30 Frauen in Herat wegen angeblich falscher Kopfbedeckung festgenommen. In den darauffolgenden Tagen forderte das de‑facto Ministerium für Hadsch und religiöse Angelegenheiten in einer Predigt die Einhaltung einer 10‑seitigen Anweisung, wonach der Hijab den gesamten Körper bis auf die Augen bedecken, locker und ohne Verzierungen sein soll. In Logar erhielt eine Frau eine mündliche Verwarnung, weil sie ohne männliche Begleitung Lebensmittel kaufte; der männliche Ladenbesitzer wurde geschlagen und zur Behörde der Tugend‑ und Sittlichkeitswahrung gebracht, später jedoch nach Intervention von Ältesten freigelassen.
Einschränkungen im Bildungsbereich
Im April trat ein neuer Code zur gerichtlichen Trennung von Ehepartnern in Kraft, der die Ehe einer Frau von der Erlaubnis ihres Vormunds abhängig macht und implizit Kinderehen begünstigt. Seit dem 7. September 2025 sind afghanische Frauen seit 296 Tagen vom Betreten von UN‑Einrichtungen ausgeschlossen. Öffentliche Universitätsprüfungen im Mai und Juni verzeichneten 120.000 männliche Kandidaten, während keine Frau teilnahm. In Herat wurden Lehrerinnen, die keinen Chador trugen, vom Betreten einer Mädchenschule abgehalten und mit Jobverlust gedroht.
Arbitrary arrests und Misshandlungen
UNAMA verzeichnete im Berichtszeitraum mindestens 389 willkürliche Verhaftungen und 65 Fälle von Misshandlung durch das Amt für Tugend‑ und Sittlichkeitswahrung. Hauptgründe waren Verstöße gegen Hijab‑Vorschriften, westliche Haarschnitte bei Männern und das Hören von Musik. Insgesamt wurden 137 gerichtliche Körperstrafen vollzogen, darunter 112 Männer und 25 Frauen, häufig in Form öffentlicher Auspeitschungen wegen Fastenbruchs im Ramadan oder verbotener Beziehungen.
Gefährdung ehemaliger Sicherheitskräfte
Der Bericht nennt mindestens 29 willkürliche Verhaftungen, fünf Fälle von Folter und acht Tötungen von ehemaligen Mitgliedern der afghanischen Nationalen Verteidigungs- und Sicherheitskräfte zwischen dem 1. April und dem 30. Juni. In einem Fall aus Herat verschwand ein ehemaliger Offizier der afghanischen Armee am selben Tag, an dem er aus dem Iran zurückkehrte.
Sicherheitslage und Religionsfreiheit
Am 10. April ereignete sich ein tödlicher Anschlag vor einem schiitischen Schrein in Herat, bei dem 12 Personen starben und 14 verletzt wurden; eine Gruppe hat bislang keine Verantwortung übernommen. Seit Januar wurden zahlreiche Ismaili‑Gottesdienste im Bundesland Badakhshan geschlossen und Gläubige angewiesen, die Einrichtungen nicht zu nutzen. Zusätzlich wurden Schiiten an Ashura‑Feierlichkeiten eingeschränkt, wobei Detentionen wegen religiöser Symbole und Fahnen gemeldet wurden.
Einschränkungen für Medien
UNAMA berichtet über mehrere Fälle von Journalist‑Verhaftungen, Sperrungen von Medienhäusern und Schließungen von Radiosendern. Lizenzauflagen, finanzielle Engpässe und behördliche Interventionen erschweren die Arbeit von Medienschaffenden erheblich.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von Vereinte Nationen, lizenziert unter Public Data / Terms of Use (Attribution Required). Quelle unterliegt den Nutzungsbedingungen der jeweiligen internationalen Organisation.
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