Sonstige: Elf Jahre Ni Una Menos – Femizid bleibt drängendes Problem in Lateinamerika
Hintergrund des Slogans
Im Jahr 2015 verbreitete sich der Ausdruck „Ni Una Menos“ von Argentinien aus ĂĽber das gesamte sĂĽdamerikanische Festland. Der Slogan entstand aus den Protesten gegen die systematische Tötung von Frauen in Ciudad Juárez und fand rasch Anklang in Ländern wie Mexiko, Chile, Peru, Uruguay, Bolivien, Kolumbien und Paraguay. Er machte deutlich, dass das Töten von Frauen kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Problem ist, das als Femizid bezeichnet wird.
Entwicklung der Bewegung
Nach den ersten Großdemonstrationen im Mai 2015, bei denen rund 300 000 Menschen in Buenos Aires und in 80 weiteren Städten teilnahmen, gelang es der Initiative, das Thema Femizid auf die politische Agenda zu setzen. In Argentinien gründete der Oberste Gerichtshof ein nationales Femizid‑Register, das erstmals offizielle Zahlen sammelte. Ähnliche Forderungen nach Daten, rechtlicher Anerkennung und institutioneller Verantwortung wurden in Chile, Kolumbien und weiteren Staaten laut.
Statistische Lage 2024‑2025
Laut dem Gender‑Equality‑Observatorium der ECLAC wurden im Jahr 2024 mindestens 4 855 Frauen in Lateinamerika Opfer von Femizid, was einem Durchschnitt von 13 Tötungen pro Tag entspricht. In den letzten fünf Jahren summieren sich die gemeldeten Fälle auf über 19 254. Diese offiziellen Zahlen werden häufig von zivilgesellschaftlichen Beobachtungen übertroffen, da viele Taten von den Staaten nicht erfasst werden.
Landesspezifische Zahlen
In Argentinien endete das Jahr 2025 mit 200 gemeldeten Femiziden, ein Opfer alle 44 Stunden; das Ombudsmann‑Observatorium zählte jedoch 247 Fälle, wenn trans‑Femizide und verwandte Taten einbezogen werden. Chile verzeichnete 2025 40 vollendete und 283 versuchte Femizide, überwiegend durch intime Partner im häuslichen Umfeld. In Kolumbien stiegen die gemeldeten Fälle von Januar bis Juni 2025 auf 342, ein Anstieg von 6,5 % gegenüber dem Vorjahr, wobei 98 % der Fälle ohne Urteil blieben. Paraguay meldete für 2025 37 Femizide, die 69 Kinder ohne Mutter zurückließen, und verzeichnete 37 825 Fälle von häuslicher Gewalt, durchschnittlich 104 Opfer pro Tag, wobei die Zahlen laut zivilgesellschaftlichen Organisationen unterrepräsentiert seien.
Staatliche Reaktionen und Finanzierung
Einige Regierungen haben Reaktionsmechanismen eingerichtet, doch die Umsetzung bleibt fragmentiert. In Argentinien wurden im Zuge der Regierung von Präsident Javier Milei das Ministerium für Frauen aufgelöst und die Finanzierung von Opferunterstützungsprogrammen um 90 % gekürzt. Ähnliche Budgetkürzungen und Auflösungen von Gender‑Ministerien wurden in anderen Ländern beobachtet, was die Wirksamkeit bestehender Institutionen stark beeinträchtigt.
Ausblick und Herausforderungen
Obwohl das Bewusstsein fĂĽr Femizid gewachsen ist, zeigen aktuelle Daten, dass strukturelle Gewalt nach wie vor verbreitet ist. Die Bewegung fordert nicht nur symbolische Anerkennung, sondern konkrete finanzielle Mittel, rechtliche Reformen und den Ausbau von Schutzsystemen. Ohne nachhaltige politische UnterstĂĽtzung bleibt das Risiko, dass Frauen weiterhin Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt werden, hoch.Dieser Bericht basiert auf Informationen von Global Voices, lizenziert unter Creative Commons BY. Offene journalistische Inhalte.
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