Deutschland: Enquete-Kommission diskutiert Folgen der Pandemie fĂĽr Arbeitswelt und Pflegearbeit
Kerninformationen
Am 12. Juni 2026 hat die Enquete‑Kommission des Deutschen Bundestages die Auswirkungen der COVID‑19‑Pandemie auf die Arbeitswelt und die Pflegearbeit erörtert. Die Sitzung diente der Vorbereitung eines Abschlussberichts, der bis Ende Juni 2027 veröffentlicht werden soll und konkrete Handlungsempfehlungen für künftige Gesundheitskrisen enthalten wird.
Wirtschaftliche Schäden
Nach Angaben der Vertreterin der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände beliefen sich die Schäden an der Wertschöpfung auf rund 350 Milliarden Euro. Im Frühjahr 2020 waren sechs Millionen Beschäftigte in Kurzarbeit, wodurch Arbeitsplätze gesichert und die gesamtwirtschaftliche Lage stabilisiert werden konnten.
Stellungnahmen der Wirtschaft
Die Leiterin der Abteilung Soziale Sicherung bei der BDA betonte die Notwendigkeit transparenter politischer Maßnahmen und warnte vor einem Flickenteppich bei Gegenmaßnahmen. Sie verwies auf den Vergleich mit anderen europäischen Modellen und erklärte, dass das deutsche Modell der Sozialpartnerschaft wesentlich zur Sicherung von Arbeitsplätzen beigetragen habe.
Pflegebereich
Ein Vertreter der vernetzten Pflegebranche schilderte, dass die Pflegepraxis während der Pandemie stark belastet war. Neue Regelungen und Umsatzeinbußen führten zu erheblichen Schwierigkeiten. In einigen Einrichtungen mussten vier Mitarbeitende in drei Schichten für 51 ältere Menschen arbeiten, wobei die politische Einmischung als unverhältnismäßig empfunden wurde.
Arbeitsmarkt und soziale Sicherung
Der ehemalige Bundesarbeitsminister verwies darauf, dass die Pandemie strukturelle Benachteiligungen im Arbeitsmarkt sichtbar gemacht habe. Personen, die überwiegend in Teilzeit oder Minijobs beschäftigt sind, hätten geringere Leistungen aus dem Kurzarbeitergeld erhalten. Es wurde gefordert, Minijobs stärker in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen zu überführen, um die soziale Absicherung zu verbessern.
Sozial benachteiligte Gruppen
Eine Vertreterin des Deutschen Frauenrats wies darauf hin, dass die Pandemie insbesondere Personen in prekären Wohnverhältnissen hart getroffen habe. Beengte Wohnsituationen verstärkten negative Folgen, während öffentliche Lernorte und soziale Versorgungseinrichtungen wie Mittagessen in Einrichtungen oder Tafeln zum Teil wegfielen. Es wurde gefordert, soziale Einrichtungen besser zu personalisieren und zu finanzieren.
Familien und Kinder
Die Direktorin des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung berichtete, dass die Schließung von Betreuungseinrichtungen die Familien stark belastet habe. Die mentale Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und Eltern sei eingeschränkt worden. Zwei Drittel der Familien befanden sich während der Pandemie im Doppelerwerb, was zusätzliche Belastungen mit sich brachte.
Ausblick der Kommission
Die Kommission arbeitet interdisziplinär an einer verbesserten Risikobewertung, Früherkennung und Krisenbewältigung. Die 28‑köpfige Gruppe, bestehend aus 14 Abgeordneten und 14 externen Sachverständigen, wird bis Juni 2027 einen umfassenden Bericht vorlegen, der strukturelle Verbesserungen in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft, Bildung, Soziales, Politik, internationale Zusammenarbeit und öffentliche Kommunikation vorschlägt.Dieser Bericht basiert auf Informationen von Deutscher Bundestag, lizenziert unter Amtliches Werk gem. § 5 UrhG (Deutschland).
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