UN: Erdbeben in Venezuela belastet Gesundheitssystem und lässt Zehntausende obdachlos
Am Dienstag setzten Such‑ und Rettungsaktionen in den am stärksten betroffenen Regionen fort, während Zehntausende Überlebende nach Notunterkünften suchten und humanitäre Akteure vor einem möglichen Ausbruch infektiöser Krankheiten warnten.
Humanitäre Lage und Unterbringung
Laut einer schnellen Bedarfsanalyse von UNHCR, die Ende letzter Woche in den Bundesstaaten La Guaira, dem Hauptstadtbezirk, Miranda, Aragua und Carabobo durchgeführt wurde, leben die Hälfte der Befragten bei Nachbarn oder Verwandten. Fast vier von zehn Personen wohnen auf Straßen, öffentlichen Plätzen, in Kirchen, Schulen oder provisorischen Einrichtungen, die nicht den Mindeststandards für Privatsphäre, Sicherheit und Hygiene entsprechen.
Gesundheitsversorgung unter Druck
Christian Lindmeier, Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO), erklärte, dass die Gesundheitsdienste aufgrund eines Anstiegs von Traumafällen die Kapazitätsgrenzen überschreiten. Daten der WHO für 21 Gesundheitseinrichtungen in Caracas, La Guaira, Miranda und Falcón zeigen, dass drei Einrichtungen sich in kritischem Zustand befinden, sechs strukturelle Schäden aufweisen oder nur teilweise funktionsfähig sind, während die übrigen trotz erheblicher Belastung weiterarbeiten.
Risiken fĂĽr Infektionskrankheiten
Lindmeier wies zudem auf ein erhöhtes Risiko für Ausbrüche impfpräventabler Krankheiten wie Masern, Diphtherie, Keuchhusten, Gelbfieber sowie vektor- und wasserübertragene Erkrankungen (Dengue, Chikungunya, Zika, Oropouche und Malaria) hin. Die niedrige Impfquote vor dem Erdbeben und der eingeschränkte Zugang zu Impfstoffen verstärken diese Gefahr für die vertriebenen Menschen.
Fehlende Fachkräfte im Gesundheitswesen
Der WHO‑Sprecher berichtete, dass mehrere Gesundheitsarbeiter in La Guaira nach wie vor vermisst werden, darunter Fachkräfte, die für die gesamte maternale Versorgung zuständig sind. Das Fehlen dieser Mitarbeitenden schafft eine kritische Lücke in der geburtshilflichen Versorgung.
Auswirkungen auf Infrastruktur
Die Analyse der WHO verdeutlicht, dass neben den bereits genannten kritischen Einrichtungen weitere Krankenhäuser strukturelle Schäden erlitten haben, was zu überfüllten Wartebereichen, wachsenden OP‑Rückständen und einem Zusammenbruch von Forensik‑ und Leichenhallen führt.
Reaktion der Behörden
Venezolanische Behörden bestätigten laut UNHCR 1.719 Todesopfer, mindestens 5.034 Verletzte und 15.866 von der Katastrophe betroffene oder vertriebene Personen.
Ausblick und Hilfsbedarf
UNHCR‑Sprecherin Carlotta Wolf betonte, dass die Versorgungslage weiterhin prekär sei und die Bevölkerung dringend Zugang zu Nahrungsmitteln, sauberem Wasser und medizinischer Grundversorgung benötige, um die humanitäre Krise zu bewältigen.
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