Am 26. August 2026 löste ein Erdbeben der Stärke 4,4 in der Nähe der Grenze zu China eine massive Lawine am Nordhang des Langtang Lirung aus, die zu einer Gletscherausbruchflut im Lhende Khola führte und in Nepal verheerende Überschwemmungen verursachte. Bis zum 27. August meldete die nepalesische Behörde über 160 Tote, wobei die Zahl voraussichtlich in die Hunderte steigen wird.
Ursachen und wissenschaftliche Bewertung
Wissenschaftler, die Satellitenbilder von Planet Labs ausgewertet haben, bestätigen den Zusammenbruch des Gletschers. Es gibt unterschiedliche Einschätzungen, ob das Erdbeben den Hangausbruch auslöste oder die Lawine selbst das Beben erzeugte. Der Hang war bereits durch steigende Temperaturen und gesättigte Moränen im späten Monsun destabilisiert.
Historischer Kontext
Der Langtang Lirung war bereits 2015 von einem Erdbeben der Stärke 7,8 betroffen, das eine Lawine auslöste und das Dorf Langtang zerstörte. Seitdem haben mehrere Gletscherausbruchfluten (Chamoli 2021, Melamchi 2021, Sikkim 2023, Thame 2024, Bhote Kosi 2025) die Region während der Monsunzeit heimgesucht.
Folgen für Infrastruktur
In Minuten wurden mindestens sechs große Wasserkraftwerke, Stromleitungen und Umspannwerke im Bhote Kosi‑ und Trisuli‑Tal zerstört oder schwer beschädigt. Das 25‑Megawatt‑Solarprojekt in Nuwakot wurde von Sediment begraben, und rund ein Dutzend Brücken wurden weggespült, wodurch wichtige Verkehrsverbindungen nach Norden unterbrochen wurden.
Auswirkungen auf Grenzregion
Der überlaufende Lhende Khola bildete einen Stausee, der an der Grenze zu China platzte und eine Mure aus Schlamm, Wasser und Geröll den Trisuli hinunterstieß. Der Rasuwa‑Grenzposten, wichtig für Handel und Tourismus, wurde nur Minuten vor dem Eintreffen des Stroms erreicht und blieb ungesichert.
Politische Reaktion
Premierminister Balendra Shah, der nach den Gen‑Z‑Protesten von 2025 an die Macht kam, hat den Katastrophenstaat für sofortige Such‑ und Rettungsmaßnahmen sowie für den Wiederaufbau des Trisuli‑Tals erklärt. Die Regierung steht zudem unter Druck, im Rahmen des internationalen Verlust‑ und‑Schadens‑Fonds finanzielle Unterstützung für die durch den Klimawandel verursachten Schäden zu sichern.
Langfristige Perspektive
Experten betonen, dass Nepal ein umfassendes Konzept zur Bewältigung von seismisch und klimatisch bedingten Katastrophen benötigen wird, da Gletscherschwund, Permafrostschmelze und Gletscherseeausbrüche künftig grenzüberschreitende Risiken für das Himalaya‑Becken darstellen.
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