International: Erweiterte Mutterschaftsleistungen in Bangladesch – Kinderbetreuung bleibt Herausforderung
Die Einführung von 120 Tagen Mutterschaftsurlaub für berechtigte Arbeiterinnen markiert einen gesetzlichen Fortschritt, doch viele Frauen in der Textilindustrie stehen nach dem Ende des Urlaubs vor der Frage, wer sich um ihre Kinder kümmert, während sie lange Schichten leisten.
Gesetzesänderung und ihre Rahmenbedingungen
Im April 2026 hat das Parlament die Arbeitsgesetzgebung geändert und die zulässige Mutterschaftszeit von 112 auf 120 Tage verlängert. Zusätzlich verlangt das Gesetz, dass Betriebe mit mindestens 40 weiblichen Arbeitskräften geeignete Räume für Kinder unter sechs Jahren bereitstellen, die von erfahrenen weiblichen Betreuern betreut werden.
Alltag von Arbeiterinnen in den Fabriken
Die Erfahrungsberichte von Morsheda (33) und Mina (38), beide langjährige Arbeiterinnen in der Bekleidungsproduktion, zeigen, dass die formalen Regelungen oft nicht die praktischen Bedürfnisse decken. Nach dem Urlaub kehren sie zu Schichten von 10 bis 14 Stunden zurück und müssen ihre Kinder zwischen Großeltern, bezahlten Betreuern und gelegentlichen Fabrik-Kindertagesstätten aufteilen.
Verfügbarkeit und Qualität von Kinderbetreuung
In den befragten Werken stehen nur etwa 12 bis 13 Plätze in einer Kindertagesstätte für rund 2 000 weibliche Arbeitskräfte zur Verfügung, und es gibt häufig Kritik an Hygiene und Personalstärke. Die Zugangsmöglichkeiten zu Stillräumen bleiben ebenfalls eingeschränkt, weil häufig niemand das Kind zur Stillzeit begleiten kann.
Bedeutung des Sektors für die Wirtschaft
Der Fertigungssektor für Fertigkleidung erwirtschaftet über 36 Milliarden US‑Dollar an Exporterlösen und beschäftigt rund 4,5 Millionen Menschen, wovon mehr als 57 Prozent Frauen sind. Trotz des Einkommenszuwachses tragen die Frauen nach wie vor den Großteil der unbezahlten Haus- und Pflegearbeit.
Internationaler Vergleich
Im Vergleich bietet Vietnam sechs Monate Mutterschaftsurlaub und verpflichtende Stillpausen, während Kambodscha 90 Tage mit Teilzeitlohn gewährt. In beiden Ländern bestehen jedoch ähnliche Lücken zwischen gesetzlichen Vorgaben und der tatsächlichen Verfügbarkeit von Kinderbetreuung.
Initiativen zur Verbesserung
Das ILO‑UNICEF‑Programm „Mothers@Work“ definiert sieben Mindeststandards, darunter bezahlter Mutterschaftsurlaub, Still- und Betreuungsräume sowie flexible Arbeitszeiten. Eine Bewertung aus dem Jahr 2022 bestätigte Fortschritte bei Richtlinien, wies jedoch weiterhin darauf hin, dass viele Frauen nach dem Urlaub ihre Beschäftigung wegen fehlender Betreuung aufgeben.
Ausblick
Die Verlängerung des Mutterschaftsurlaubs auf 120 Tage stellt einen rechtlichen Fortschritt dar, doch die Praxis zeigt, dass unzureichende Kinderbetreuung die Rückkehr von Arbeiterinnen in die Produktion erschwert. Eine konsequente Umsetzung und ausreichende Ausstattung von Betreuungsangeboten sind nötig, um die gesetzlichen Vorgaben wirksam zu machen.
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