Hera als Testplattform im tiefen Weltraum
Im Sommer 2027 wird die ESA-Mission Hera etwa 150 Millionen Kilometer von der Erde entfernt ihre primären Aufgaben im Bereich planetarer Verteidigung abgeschlossen haben und anschließend als einzigartiges Labor für Softwareexperimente dienen. Von diesem Standort aus können europäische Forscher und Unternehmen ihre Programme direkt im Weltraum ausführen und damit reale Bedingungen für autonome Systeme testen.
Zielgruppe und Anwendungsbereiche
Die ESA richtet sich an europäische Wissenschaftler, Ingenieure und Unternehmen, die neuartige Konzepte für Onboard‑Intelligenz, Bildverarbeitung oder KI‑gestützte Betriebsabläufe entwickeln. Gesucht werden Experimente, die über die heute üblichen prozeduralen Grenzen hinausgehen und gleichzeitig sicher neben den flugkritischen Systemen von Hera betrieben werden können.
Technische Rahmenbedingungen
Hera ist mit einem europäischen Dual‑Core‑LEON3‑Prozessor ausgestattet. Ein Kern steuert das Raumfahrzeug, der zweite Kern stellt eine isolierte Sandbox‑Umgebung bereit, in der Gastsoftware für jeweils zwei bis drei Stunden laufen darf. Bei jeglichen Anomalien wird die Software sofort abgeschaltet, um die Missionssicherheit zu gewährleisten.
Zeitplan für die Einreichung
Interessierte können ihre Ideen bis Mitte Oktober 2026 über die Open Space Innovation Platform (OSIP) einreichen. Die ESA wählt im Anschluss die vielversprechendsten Vorschläge aus, verlangt bis zum 31. Mai 2027 die vollständige Implementierung und plant einen einmonatigen Testbetrieb im August 2027.
Bewertungskriterien
Die ESA bewertet die Einreichungen nach Innovationsgehalt, technischer Machbarkeit und Einhaltung der Sicherheitsvorgaben. Ziel ist es, Technologien zu reifen, die die Abhängigkeit von Bodenkontrolle reduzieren, die Resilienz von Missionen erhöhen und zukünftige Explorationen autonomer machen.
Hintergrund der Hera‑Mission
Nach dem gezielten Aufprall der NASA‑Mission DART im Jahr 2022 auf den Asteroiden Dimorphos wird Hera im Herbst 2024 dort eintreffen, um die Auswirkungen zu untersuchen. Die gewonnenen Daten sollen zentrale Fragen der planetaren Verteidigung beantworten, bevor das Raumschiff seine neue Rolle als Labor übernimmt.
Frühere ESA‑Demonstratoren
Die ESA hat bereits mehrere Technologie‑Demonstrationen durchgeführt, darunter die Proba‑3‑Satellitenformation und das OPS‑SAT‑CubeSat, das unter anderem das Spiel Doom im All laufen ließ. Hera setzt diesen Ansatz fort und erweitert ihn um komplexere Software‑Experimente.
Aufruf zur Teilnahme
Alle interessierten Akteure sind eingeladen, ihre Konzepte über die OSIP‑Plattform einzureichen. Erfolgreiche Projekte könnten den Weg für die nächste Generation intelligenter, robuster und autonomer Raumfahrtsysteme ebnen.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von European Space Agency, lizenziert unter Quelle beachten. Lizenzangabe konnte nicht eindeutig zugeordnet werden.
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