Ethnozentrismus und Kaufabsichten für libanesische Produkte während der Wirtschaftskrise
Eine im Zeitraum von März bis Mai 2021 durchgeführte Untersuchung analysierte, welche demografischen, psychologischen und sozioökonomischen Faktoren das Kaufverhalten libanesischer Verbraucher in einer Phase akuter Finanzkrise, Pandemie und Hafenexplosion beeinflussen. Die Studie stützte sich auf die Theorie des überlegten Handelns und das transaktionale Stress‑Coping‑Modell.
Hintergrund und Zielsetzung
Im Kontext anhaltender ökonomischer Instabilität und gesellschaftlicher Unruhen stellt das Konsumverhalten ein zentrales Forschungsfeld dar. Ziel der Untersuchung war es, Vorhersagegrößen für die Bereitschaft zum Erwerb heimischer Produkte zu identifizieren und die vermittelnde Rolle von Ethnozentrismus zu prüfen.
Methodik
Ein quantitativer Ansatz wurde gewählt. Insgesamt 606 libanesische Verbraucher nahmen an einer strukturierten Online‑Befragung teil. Die Erhebung erfolgte während der genannten Krisenphase, wobei standardisierte Skalen zur Messung von Ethnozentrismus, sozioökonomischem Status (SES), Coping‑Fähigkeit und Kaufabsicht eingesetzt wurden.
Zentrale Ergebnisse
Die Analyse zeigte, dass Ethnozentrismus (β = 0,253, p < 0,001) sowie der sozioökonomische Status (β = 1,479, p = 0,003) signifikante direkte Prädiktoren für die Kaufabsicht libanesischer Produkte darstellen. Beide Variablen erhöhen demnach die Wahrscheinlichkeit, dass Verbraucher heimische Waren bevorzugen.
Einfluss demografischer Faktoren
Demografische Merkmale, insbesondere das Alter, beeinflussen die Ausprägung ethnozentrischer Einstellungen. Ältere Verbraucher zeigen tendenziell höhere Ethnozentrismus‑Werte, was indirekt ihre Kaufabsicht stärkt.
Rolle von Coping und Alter
Die Fähigkeit zum Coping wirkt stärker bei älteren Konsumenten (β = ‑0,023, p = 0,047). Zudem vermittelt Ethnozentrismus teilweise den Einfluss des Alters auf die Kaufabsicht, während der Einfluss des SES inkonsistente Mediationsmuster aufweist.
Theoretische Implikationen
Die Befunde erweitern bestehende Modelle des überlegten Handelns, indem sie zeigen, wie Stressbewältigungsstrategien und sozioökonomische Lage mit identitätsbezogenen Einstellungen interagieren und das Konsumverhalten in Krisenzeiten modulieren.
Praktische Empfehlungen
Für Marktakteure und Entscheidungsträger bedeutet dies, dass zielgruppenspezifische Segmente, die ethnische Identität und sozioökonomische Lage berücksichtigen, effektiver angesprochen werden können. Kommunikationsstrategien, die kulturelle Verbundenheit betonen, könnten die Nachfrage nach heimischen Produkten stärken.
Dieser Bericht basiert auf Informationen von PLOS ONE, lizenziert unter Creative Commons BY 4.0 (Open Access). Wissenschaftliche Inhalte, offen zugänglich.
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